Plutographie

New Horizons rückt Pluto langsam auf die Pelle.

Aus Bildern der Raumsonde New Horizons hat das Johns Hopkins Institut der NASA eine nette GIF-Animation erstellt. Zu sehen ist die zeitgeraffte Rotation Plutos und seines Mondes Charon aus einer Entfernung von 24 bis 18 Millionen Kilometern.

Der Fly By der Sonde ist für den 14. Juli angesagt; die Entfernung von Pluto zur Erde beträgt dann rund 4,77 Milliarden Kilometer, was (dividiert durch die Lichtgeschwindigkeit) einem Funksignalweg von viereinhalb Stunden entspricht.

Sonnenfeuer

Gegen 18.38 Uhr MESZ erreicht die Sonne ihren nördlichsten Punkt auf der Himmelskugel. Die Sonnenwende markiert die beginnende Erntezeit und der Johannistrieb regt sich. Vielleicht.

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Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

(von Paul Gerhardt, Berlin 1666)

Drohneneinsatz

Als die Pluto-Sonde New Horizons 2006 auf ihre weite Reise geschossen wurde, war das Aufklärungsziel noch ein putzmunterer Planet. Heute tituliert die unterkühlte Randfigur unseres Sonnensystems bloss mehr als Zwergplanet, und selbst in jener Kategorie ist die Poleposition mittlerweile strittig.

Im Juli 2015 soll der von einem Plutonium-Reaktor betriebene Kundschafter die ausserirdische Zwergenwelt quasi haut­nah touchieren; übrigens eine witzige Idee Pluto mit seinem nuklearen Namenspatenkind zu überraschen! Auch etwas Asche des verstorbenen Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh und die mit einer halben Million Namen beschriebenen CD abenteuerlustiger Couch-Potatoes Erdlinge sind mit an Bord. Reichlich okkult angehauchte Expedition, doch als hobbytechnischer Sternengucker trampt man bei einer richtigen NASA-Mission gratis schon mal huckepack mit.

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Endmontage der CD an der Raumsonde

Nach der erstmaligen Aufwartung bei Zwerg Pluto soll die Reise anschliessend weiter in den Kuipergürtel hinein führen, wo weitere Urtrümmer gefunden und untersucht werden könnten.

Im Vergleich zur längst aus dem interstellaren Raum funkenden Voyager 1 beträgt die Distanz von New Horizons zum irdischen Habitat selbst dann aber bestenfalls ein Viertel des Pensums der Sonde aller Sonden. Früher war halt mehr Raumfahrt.

Oh Du Goldigs Sünneli

Sonnenwendfeiern sind wieder mega-in, rituelles katalysiert spirituelles. Ehedem als „Heidnisch“ verschrienes Kulturgut gilt zusehends als rehabilitiert und wird heutzutage in manchen Kirchen akzeptiert und sogar zelebriert. Metaphysischer Ek­lek­ti­zis­mus par excellence, Om meets Ky­rie elei­son beim Ringelpietz mit Anfassen.

Somnnenwendfeier, rituelles Singen

Am 21. Juni wird es um 12.51 MESZ dann auch astronomisch Sommer, diesmal ganz im Zeichen des Brazuca.

Wendezeit

Am 21. Dezember um 18:11 MEZ wendet scheinbar die Sonne. Zunächst bleibt der Tag abends etwas länger und nur ganz allmählich zieht sich bald auch die Nacht morgens merklich zurück.

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Aufgrund der Neigung der Erdachse und der elliptischen Bahn unseres Heimatplaneten um die Sonne fallen die längste Nacht und der früheste Sonnenuntergang nicht auf den gleichen Tag. Gute zehn Tage vor der astronomischen Sonnenwende findet der früheste Sonnenuntergang statt; der späteste Aufgang erfolgt sogar erst Anfang Januar. Kurioserweise ist dann gleichzeitig mit diesmal 147.098.090 km Entfernung der für das gesamte Jahr 2014 kürzeste Abstand zur Sonne erreicht.

Jahresendfeuer

Der letzte Weltuntergang war ja ursprünglich für das Jahresende 2012 vorgesehen; doch nun stellt sich überraschend heraus, dass bei den damaligen Berechnungen der gemeine Zufall schlichtweg übersehen wurde, und nun überraschend die Endziffer 13 zur Zusatzzahl wurde…

• -> http://de.ria.ru/society/20131130/267388165.html

Harvest Soon

In der tagesaktuellen Auszählung hat sich bereits vor Schliessung der beiderseits des Hochrheins gelegenen Wahllokale ergeben, dass just am 22. September pünktlich um 22:44 Uhr Mitteleuropäischer Nochsommerzeit es definitiv anfängt zu herbsten. Auf der Nordhalbkugel unseres Planeten werden die Blätter fallen und das Tageslicht rasch abnehmen. Möglicherweise wird manch einer dann allein im Dunklen „Glück auf, der Steiger kommt!“ pfeifen. Damit es nicht beim Pfeifen bleibt, hier die Textfassung, frei nach Wikipedia:

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
|: schon angezündt’

Schon angezündt’! Das gibt ein Schein,
|: und damit so fahren wir bei der Nacht,
|: ins Bergwerk ein

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein,
|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,
|: aus Felsgestein

Der Eine gräbt das Silber, der and’re gräbt das Gold,
|: doch dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht,
|: dem sein wir hold

Ade, nun ade! Lieb’ Schätzelein!
|: Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht,
|: da denk’ ich dein

Und kehr ich heim, zum Schätzelein,
|: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
|: Glück auf, Glück auf!

Eine weitere überlieferte, vor allem im Ruhrgebiet verbreitete Strophe lautet

Die Bergmann’s Leut sein’s kreuzbrave Leut,
|: denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht
|: und saufen Schnaps

Wenn die vorherigen Strophen sitzend gesungen werden, stehen die anwesenden Bergleute bei der oben stehenden Strophe meistens auf. Zudem wird auf größeren Veranstaltungen nach Singen dieser Strophe angestoßen und ein alkoholisches Getränk getrunken.

Des Weiteren kursieren eine Reihe weiterer Strophen, die ähnlich aufgebaut sind, für verschiedenste Gruppen, wie z. B. Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Hierbei enden die Strophen allerdings auf „|: und saufen’s auch :|“.

Oans. Zwao. G´suffa.

*           *           *

PS: Eine ausführliche Exegese der Schwarzen Barbara vom blonden Heino folgt dann zeitnah anlässlich des nächsten Scheiding.

Sonnenschein

Seit dem 21. Juni um 07:04 MESZ hat Sonnenkönig Sarastro wieder das unbedingte Sagen. Pamina wird als Tochter der Finsternis schon bald das Helle zu schätzen und lieben lernen und schleckt zur zauberhaften Flötenmusik gerne ein Glacé.

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In den momentan bescheidenen Dunkelphasen kann man gegen Mitternacht im Zenit das Sommerdreieck funkeln sehen. Sternenlicht funkelt durch die Lichtbrechung in der Atmosphäre, dagegen leuchten die ISS und andere Reflektoren dann vergleichsweise ruhig und kräftig im Widerschein der Sonne, zumal selbige im Sommer während der Nachtstunden nur knapp unter dem Horizont verweilt. Eine hilfreiche Webseite für Sterngucker ist dabei Heavens Above, welche exakte Bahndaten von irdischen und kosmischen Himmelskörper für den jeweiligen Aufenthaltsort bereit stellt. Trotz der allgegenwärtigen Lichtverschmutzung wird so das Auffinden der stellaren Lieblingsobjekte ziemlich vereinfacht.

Lenz jetzt.

Well I’m beginning to see the light
Oh, it’s getting a little softer in the end now
Now-now baby, I’m beginning to see the light
Oh, it’s coming round again
Hey now-now-now baby, I’m beginning to see the light
There are problems in these times but, oh, none of them are mine
Oh baby, I’m beginning to see the light

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Am 20. März knallen im Sternbild Widder um 12.02 MEZ wieder die Korken; kometenhaft kehrt das regenerative Licht wieder, um unser Herz, den Verstand und sämtliche Sinne zu verblenden. Heißassa!

Uffe

Maya-Kalender, Maya calender

Sofern im grotesken Mischmasch von Kalendarien und Planetenbahnen nicht doch ein kollateralschädigender Irrtum steckt und jener sich am 21. Dezember nicht vor 12:11 Uhr MEZ bemerkbar macht, können wir getrost einen weiteren Wendepunkt unseres gutnachbarlichen Sternes erleben.

Wie immer zu Beginn der Auffahrt zunächst schleppend aber unaufhörlich steigt das thermonuklear aktive Zentralgestirn hoch und höher und wird uns klimaneutral schonend allmählich wieder auftauen. Versprochen.

Nächster Weltuntergang ist dann wie gehabt pünktlich am 30. Mai.

Astropunk

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“Tranquility Base here. The Eagle has landed!”

Lied des Astronauten

Der Mond ist eingefangen,
von Sonden schon begangen,
von Fotos wohlvertraut.
Das All steht schwarz und schweiget,
doch aus Raketen steiget
Schon hie und da ein Astronaut.

Noch ist der Kosmos stille
und in der Kapsel Hülle
so traulich und so hold
als wie ein leeres Zimmer,
das nur der Sterne Schimmer
erreichen und erhellen sollt.

Wenn wir darein nun treten,
was nützet unser Beten,
daß es so traulich blieb?
Da wir doch weiterfahren,
herrscht hier in ein paar Jahren
bestimmt der schlimmste Hochbetrieb.

Wir tollen Menschenkinder
sind mächtige Erfinder
und machen nirgends halt.
Wir holen uns die Sterne,
selbst Venus, die noch ferne,
und wenn es sein muß, mit Gewalt.

Wie bist du, Welt, von weitem
so still. Von deinem Streiten
spürt man hier keinen Hauch.
Herr, schütze meine Reisen
und laß mich ruhig kreisen –
und meinen toten Nachbarn auch.

Dieter Höss: Schwarz Braun Rotes Liederbuch. Bergisch Gladbach 1967

Mondschein

Am 22. September um 16:49 MESZ erreicht die Sonne den Herbstpunkt und macht sich hierorts rar. Während sich das Zentralgestirn im nächsten Halbjahr vorwiegend auf der Südhalbkugel tummelt, zeigt sich der Vollmond hingegen in höchsten Höhen am nördlichen Firmament. Diese kosmische Wippe ist das Resultat von Ekliptik und Bahnneigung.

Im Sommerhalbjahr verläuft die Bahn der Sonne und Planeten tagsüber hoch und steil und nachts tief und flach, im Winter ist dies umgekehrt. Die jeweiligen Schnittpunkte von Ekliptik und Himmelsäquator markieren Frühling bzw. Herbst. Dazu die 23,4° Erdbahnneigung zur Sonne plus 5,2° der Mondbahn zur Erde mal der Anziehungskräfte von Sonne, Erde und Mond und fertig ist ein komplexes Dreikörperproblem.

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Ist aber alles halb so wild, solange uns der Mond nicht auf den Kopf fällt

Sommerkraft

Der Sommer beginnt heuer am 21. Juni um 01:09 Uhr und dauert zwei Tage länger als es ein blosses Viertel vom Schaltjahr vermuten liesse – 😉

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We starve-look at one another
Short of breath walking proudly in our winter coats
Wearing smells from laboratories facing a dying nation
Of moving paper fantasy listening for the new told lies
With supreme visions of lonely tunes

Somewhere
Inside something there is a rush of greatness
Who knows what stands in front of our lives
I fashion my future on films in space
Silence tells me secretly
Everything
Everything

Singing our space songs on a spider web sitar
Life is around you and in you
Answer for Timothy Leary, dearie

Let the sunshine
Let the sunshine in
The sunshine in
Let the sunshine
Let the sunshine in
The sunshine in
Let the sunshine
Let the sunshine in
The sun shine in…

Venus (in furs)

I am tired, I am weary
I could sleep for a thousand years
A thousand dreams that would awake me
Different colors made of tears

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(Satellitenbild von Hinode; hier gut erkennbar ist der Lomosonov-Effek)

Ein inspirierender Moment für meine universelle Autoreferenz war der Venus-Transit 2004. Schon frühmorgens, ausgestattet mit der einfachen SoFi-Berille war ich begeistert, als meine Augen den dunklen Fleck auf der Sonnenscheibe tatsächlich auflösten.

Doch richtig klar wurden mir die kosmischen Dimensionen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft erst in der Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow. Dort, am Sonnenrefraktor, konnte ich die Kugelgestalt der Venus tatsächlich erahnen und der sich einstellende 3-D-Effekt von Raum war einfach phantastisch.

Noch heute blubbert hin und wieder ein wenig dieser Erkenntnis-Euphorie ins Bewusstsein und nordet mich neu ein. Mehr Trance zum Transit dort.

Frühlingsgefühle

Wenn im Frühjahr die Tage länger werden, stellt der Körper den Hormonhaushalt um. Es werden verstärkt Endorphin, Testosteron und Östrogen ausgeschüttet. Evolutionsbiologen sind der Meinung, dass dies ein Überbleibsel des geschlechtlichen Jahreszyklus darstellt, wie man ihn bei vielen Tierarten findet. Der Melatoninspiegel im Blut sinkt, die Geschlechtsorgane treten wieder in Funktion, die Zeit der Paarung und des Brütens beginnt.

Am 20. März um 06:14 MEZ beginnt der kalendarische Frühling 2012.
Enjoy!