Wo wird lauschend angegriffen, wo wird täglich spioniert?
Wo ist Presse, wo ist Rummel, wo wird immer diskutiert?
Schlagwort: Grosser Kanton
Schwanzvergleich
Deutschlandtrend
In der Deuschschweiz wird zur Zeit tüchtig für Deutschland als Ferien/Urlaubs-Destination geworben. Zwar war und ist Berlin immer Thema reisefreudiger Zürcher, doch schon vor den letzten Sommerferien erstaunte mich das jüngst offensichtlich stark gestiegene Interesse an Wattwanderungen und Chiemgau. Ist das Währungsgefälle etwa noch stärker als die Gezeiten? Selbst von Schweizer Bekannten wurden meine Qualitäten als Reiseführer in Sachen Deutschland angefragt, obwohl ich das Land mittlerweile nur noch leicht verschwommen aus der Ferne wahrnehme.
Spannend, natürlich und überraschend — könnte glatt die Löwsche´ Philosophie beschreiben oder als Slogan ein beliebiges Wahlplakat zieren. Für die anstehende ganz grosse Koalition gölte dies erfahrungsgemäss jedoch nur sehr bedingt.
Dagie wonders
Once again Dagie went far west. For more details start there.
Denkmalpflege
Delikat Essen LII
Maien
Maien in Prevorst (und im Brauch(!)wiki)
Nächstenhiebe
Als ich unlängst mit Jim Knopf & Co. längst bestandene Abenteuer wiederholte, traf ich auch Frau Mahlzahn wieder, jene furchteinflössende Lehrerin der Drachenschule im Kummerland, welche ihren Schülern unablässig mit «Hieben» und «Karzer» droht. Für heutige Kinder müssen diese Lehrmethoden wie finsterstes Mittelalter erscheinen, dabei erschien Michael Endes Buch erst vor 50 Jahren und in der Echtzeit war die Redaktion der Schülerzeitung an meiner Schule damals tatsächlich in einer ehemaligen Arrestzelle untergebracht. Schulische Züchtigung war bereits geächtet und verboten, doch ganz dunkel vermag ich mich zu erinnern, dass es da tatsächlich den einen oder anderen Vorfall gab, der entrüstete Eltern an der Schule intervenieren liess, während andere wiederum lieber dem betreffenden Lehrer quasi „freie Hand“ lassen wollten.
Die im Gegensatz hierzu oft im Verborgenen ausgeübte körperliche Gewalt im Elternhaus ist allerdings unheimlicher. Noch unheimlicher wird es, wenn man über das harmlose klingende „babywise„ stolpert und allerlei Seltsames über fundamental-christliche Erziehung erfährt, bei der Kinder gewaltsam zu gottesfürchtigen Wesen herangezogen werden. Auch im Grossen Kanton nebenan ist solch weltanschaulich motivierte Züchtigung momentan ein Thema.
«Wer sein Kind lieb hat, der hält es stets unter der Rute, daß er hernach Freude an ihm erlebe. Beuge ihm den Hals, weil es noch jung ist; bleue ihm den Rücken, weil es noch klein ist, auf daß es nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde.» (SIR 30, 1+12)
Der richtige Umgang mit Kindern ist immer (wieder) eine Herausforderung, an der man viel öfter als einem selbst lieb ist grandios scheitert. Aber für manche Eltern wäre ein Hund dann doch angebrachter als ein Kind. Obwohl, womöglich bisse der dann kleine Kinder…
Das abschliessendes Urteil sei heute dem Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo überlassen:
«Die Vorstellung, dass das Kind schlecht auf die Welt kommt und die Eltern ihm alles Schlechte austreiben und es zum Guten erziehen müssen, ist so alt wie die jüdisch-christliche Religion. Dahinter steckt die Angst, vom Kind überwältigt zu werden und die Kontrolle zu verlieren. So muss man einem Säugling das Schreien oder einem Kleinkind das Trotzen austreiben, damit diese Verhaltensweisen nicht immer schlimmer werden. Dahinter steckt auch das Bemühen, den Willen des Kindes zu brechen. Das Credo der antiautoritären Erziehung „Das Kind kommt gut auf die Welt“ ist genauso falsch. Die Kinder kommen weder gut noch schlecht auf die Welt. Wie sie werden, hängt vor allem von der Geborgenheit und Zuwendung ab, die sie erhalten, und von den Vorbildern, die sie im Verlaufe der Kindheit erleben.»
Knödelei
Auf vielfachen Wunsch heute ein Blick über den Tellerrand der Suppentruppe hinaus ins Schlaraffenland des Holzmichels, wo ein absoluter Topffavorit für den Malmöer Kochwettbewerb knödelt:
Knödeln üben? Da lang.
Delikat Essen L
Muschitrend
Kaum ist man mal kurz weg, schon nutzen junge Kreative den ollen Kotti als Catwalk. Da schlendert man gerade völlig entspannt durch eine harmlose süddeutsche Fussgängerzone und plötzlich erkennt das geübte Auge das nur leicht modifizierte Kreuzberger Wappen am Laternenpfahl. Im Netz erfährt man sodann, dass die dreisten Etikettenschwindler nur zehn Nummern aber keine zehn Häuser neben Urgesteinen mit Metall in einem dritten Hinterhof ihr freches Hallodri treiben.
Trainierte früher nicht die Kiez-Miliz im dortigen Dojo? Tempi passati!
Sex sells und eine Prise Street Credibility frisch vom Kotti pimpt jeden Blümchensex. Dazu noch ein wenig Guerilla-Marketing hinein bis ins württembergische Unterland — und schon ist fast alles ziemlich Muschi…
PS: Strick leider schon alle — keine heimelige Fernwärme im kalten Exil.
Happiness is a warm gun (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm gun mama (Bang bang, shoot shoot) When I hold you in my arms (Oh yeah) And I feel my finger on your trigger (Ooo, oh yeah) I know nobody can do me no harm (Ooo, oh yeah) Because happiness is a warm gun mama (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm gun, yes it is (Bang bang, shoot shoot) Happiness is a warm, yes it is, gun (Happiness, bang bang, shoot shoot) Well, don’t you know that happiness is a warm gun mama (Happiness is a warm gun yeah)
Laubbläser
Laubbläserei ist ein beliebter und international ausgeübter Volkssport. Beim Jahrestreffen der Nordschweizer Laubbläserelite bliesen die Bläser die welken Blätter mühelos gemeinsam vom Übungsplatz — bravissimo!
[ɔkˈtoːbɐrevolut͜si̯oːn]
Der österreichische Komponist Hanns Eisler (1898 – 1962) schrieb Musik für Arbeiterchöre und Hollywood. Sein Schaffen war marxistisch geprögt und im Gegensatz zum schöngeistigen Kunstbegriff l´art por l´art sozial motiviert. Zusammen mit meist kongenialen Texten bleibt sein Werk mit all dem Pathos ein packendes Zeitdokument und weiterhin faszinierend.
Zurecht zwei drei.
Das etwas verkopfte Frankfurter Kollektiv ARBEIT erlaubt sich eine Disko-taugliche Version eines Klassikers der sozialistischen Arbeiterbewegung:
Ein subtiler Versuch, mit massentauglichen Rhythmen «etwas politische Intelligenz» auf den revolutionären Tanzboden zu projizieren? Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er Tanzmusik bitte sehr!
Austrophobie
Keine Angst, nä; nich ne Idee von Angst, nä; kein bisschen Angst, nä…
Hubschrauberdub
Zur anstehenden Erntezeit einen blütenreinen Polizeihubschrauber-Dub:
•und für alle devoten Fahneneidschwörer die Kreuzberger Dope-Version•
Abgeschmiert
Der brave Jogi wurde einmal mehr ausgecoacht und lag schlichtweg falsch, weil er den tapferen treuen Schäferhund ohne Biss gegen den sechsbeinigen südländischen Feuerhund antreten liess:
In seiner teutonischen Sommerfrische ist dem Hobbyschweizer nun um einiges wohler, da er nicht mehr von dem dumpfen Sieg-Heil-Gegröle tetosterongesteuerterer Blödmänner belästigt wird. 2006 noch irritierte die schwarzrotgeile Scheinheiligkeit, mittlerweile ist die entschieden zu dick aufgetragene Deutschtümelei bestenfalls unfreiwillig komisch.
Und sowieso: dem betriebswirtschaftlich optimierten Erlebnisfussball Bierhoffscher Prägung fehlt halt einfach der Punch.
Forza!
Eskapismus
„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
Franz Kafka, 1920
Gegensteuer
Eine kleine feine Schweizer Privatbank übernahm nur allzu bereitwillig ab 2008 das aufgrund einer in den USA erhobenen Anklage gegen die UBS brachliegende US-Privatkundengeschäft. Und dies — notabene — ohne selbst eine Niederlassung in den USA zu betreiben, was bei einer Strafverfolgung nicht ganz unnützlich sein kann. Als die Amis dies mitkriegten und Ermittlungen gegen die Bank anstrengten, drohten sie alsbald mit harten Handelssanktionen, einer Art Sippenhaft bis hin zum Auschluss Schweizer Banken vom wichtigen US-Handelsplatz.
In der Folge wurde die älteste (!) Schweizer Privatbank eilig abgewickelt: das prekäre US-Geschäft wurde schleunigst in eine Bad Bank überführt und der gute Rest unter Zuhilfenahme einer Neugründung einfach an die hiesige Raiffeisenbank abgetreten.
Im Zuge der Affäre trat dann im Frühjahr 2012 der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Neuen Zürcher Zeitung zurück; war er doch in Personalunion zugleich geschäftsführender Miteigentümer («Wer Steuern zahlt, ist dumm.») der vordem kleinen feinen Privatbank…
* * *
Die NZZ jedoch bildet weiterhin die publizistische Speerspitze des Paradeplatzes und bietet als dessen unbeugsames Kampfblatt ihrem Redaktor Beat Gygi die Plattform für einen mehr als polemischen Kommentar zum anhaltenden Steuerstreit mit dem Grossen Kanton:
Dass eine einigermassen liberale Regelung für den Umgang mit «altem» deutschem Vermögen in der Schweiz derart schwierig ist, hängt stark damit zusammen, dass in Deutschland eine andere Art von Demokratie und ein anderes Verständnis vom Staat dominieren als in der Schweiz. Das ursprüngliche Steuerabkommen wurde primär mit Vertretern einer Regierung ausgehandelt, die die politische Mitte und angrenzende linke Segmente vertritt. Mit diesen Politikern war ein Kompromissvorschlag möglich, der der Privatsphäre der Bürger und ihrem Schutz vor allzu dreistem staatlichem Zugriff einigermassen Rechnung trägt.
Einigermassen liberal, aha — neo-liberal wäre gewiss genehmer. Dreist? Naja. Die Steuergesetzgebung der beiden Streithähne ist schon allein darum verschieden, weil die Staatsaufgaben anders verstanden werden. Dort Sozialstaat mit Ganztagsbetreuung, hier Eigenverantwortung und traditionelles Familienbild. Mit wechselnden Regierungen ändern sich zudem die politischen Zielvorgaben viel geschwinder, ganz im Gegensatz zur Allparteien-Regierung der Eidgenosschenschaft, wo unentwegt gemauschelt wird.
Der deutsche Scheinföderalismus, der den 16 Bundesländern keine echte Steuer- und Ausgabenverantwortung zugesteht, sondern eher als Lizenz zum Mitmischen im oberflächlichen Umverteilungskampf zu sehen ist, führt aber dazu, dass die Länderkammer, der Bundesrat, plötzlich eine zentrale Rolle spielt. Die Linke, die die Mehrheit in dieser Kammer hat, nutzt die Gelegenheit nun offenbar, sich durch ein Nein zum Steuerabkommen für den Wahlkampf ideologisch zu profilieren. Aus deutscher Sicht kann dies teuer werden, das sozialistische Nein kann bedeuten, dass Deutschland erhoffte 10 Mrd. € plus «Jahresraten» nicht zukommen.
Scheinförderalismus? Oha, die Bundesrepublik ist aber nun mal förderal strukturiert. Nicht ganz so kantönlikleingeistig comme ici, aber immerhin, es gibt auch drüben zwei Kammern und das ist durchaus gewollt. Einen absurden Steuerwettbewerb mit der hierzulande üblichen Krassheit, welche die Zersiedlung der Landschaft und die Entstehung von Millionärs-Ghettos befördert, gibt es dort trotz bestehenden Nord-Süd-Gefälles tatsächlich nicht. Und die SPD ist jetzt plötzlich sozialistisch? Potzblitz, da tönt ja jemand mächtig säuerlich, vielleicht weil der Ablassbrief nicht wunschgemäss ausgestellt wird?
Dabei springt ins Auge, dass ein rational kaum fassbarer Kampfbegriff wie «Gerechtigkeitslücke» als Hauptargument zur Ablehnung dienen kann. Gerechtigkeit scheint aus dieser Sicht eine Staatsaufgabe zu sein, und offenbar soll diese in Form von Gleichmacherei ziemlich totalitär durchgesetzt werden.
Kampfbegriff? Gut, in Zeiten der Globalisierung herrscht Wirtschaftskrieg an allen Fronten. Die Wortschöpfung Gerechtigkeitslücke aber ist doch metaphorisch gut gelungen und sehr eindrücklich. Mag die schwer rationale Schweizer Zunge kein Wort schöpfen? Gerechtigkeitslücke strikes!
Und überhaupt: Gerechtigkeit ist keine Staatsaufgabe? Gottgegeben vielleicht? Oder wird sie von Banken kreditiert? Womöglich als reine Selbstgerechtigkeit à-les-riche? Soziale Gerechtigkeit scheint hier ein Fremdwort zu sein. Totalitäre Gleichmacherei? Oh my god, the commies are coming! Wenn in einem Land fiskalische Gesetze für alle Staatsbürger gelten sollen, so kann man keine Ausnahmeregelung gestatten, nur weil besonders Gierige ihr Scherflein mit Hilfe von sich dem Verdacht der Beihilfe aussetzenden halbseidenen Vermögensberatern sanft in Steueroasen betten und die Oase selbst im Grunde als Raubritterburg fungiert und profitiert. Krawallerie!
Die schillernde Rolle der offiziellen Schweiz hat solche Taktiken allerdings begünstigt. Der Bundesrat, etwa Eveline Widmer-Schlumpf, hat in jüngerer Zeit den USA und europäischen Verhandlungspartnern praktisch signalisiert, die Schweiz habe eine etwas flexible Linie und werde immer ein Schrittchen nachgeben, wenn der Druck wachse.
Mönsch Beat. Schlumpfs Vorgänger und Bankenlobbyist wurde bereits vor über vier Jahren aus der Regierung gewählt; er hat eine Haussuchung
just hinter und ein Strafverfahren noch vor sich, doch auf seine Nachfolgerin wird wegen der von ihr aufgegleisten Weissgeldstrategie und aus schierer Rachsucht noch immer feste eingeprügelt. Derweil die USA die finanzpolitischen Daumenschrauben bis hin zur Schmerzgrenze anzogen, verhandelt der Grosse Kanton immerhin tapfer weiter.
Die NZZ dagegen gibt sich gemeinsam mit der SVP als radikal fundamentalistischer Hort, wo «…die Werte der freien, unabhängigen, neutralen Schweiz, die sich nicht schämt, gegenüber dem Ausland stets den Fünfer und das Weggli zu verlangen» bedingungslos verteidigt werden.
Warum nur löst sich die Eidgenossenschaft nicht endlich aus den Händen der helvetischen Banken-Maffia, die ihr Ansehen zusehends ramponiert? Der Banken-Lobby ist es über die Jahre hinweg gelungen, das Land quasi zur Geisel zu nehmen und das Bankgeschäft gleichwohl als ein dem Gemeinwesen dienendes und daher absolut schützenswertes nationales Symbol darzustellen.
Und dabei entrichten die einheimischen Banken teilweise nicht einmal Steuern! Fürwahr parasitäre paradiesische Zustände.
Revision
Ok, ESC ist eh für die Katz´, aber während San Marinos ursprünglicher Beitrag aus werberechtlichen Gründen (war doch nur Satire!) abgelehnt wurde, kann man darüber erleichtert sein, dass die geschmacksverirrten Vorgänger-Variationen zum gleichen Thema nicht über den nationalen Vorentscheid hinaus für zweifelhafte Aufmerksamkeit sorgten:
Mit Maus & Klick gefährdeten streunende Haustiere 1996 die unfallfreie Übermittlung von Infotainment auf der Datenautobahn im alten Europa
Nippelgate

Rebecka verteilte 55 Kilogramm auf 167 Zentimeter, Chantal kam aus Castrop-Rauxel, Sabrina aus Bremervörde und Eva aus Polen machte den Schluss. Nach tausenden blank gezogener Titelbusen unterwirft sich das Revolverblatt BILD dem Diktat des US-Puritanismus — schliesslich will man künftig auch digital Geld verdienen.
Doch die paradiesischen Apps vom angebissenen Apfel verstehen nun Mal keinen Spass mit sündhaft freigelegten Nippeln und Bild selbst münzt nun die barbusige Verbannung in den Innenteil als emanzipatorische Tat um…












