Sexologie

«Alle sind sie geile Tiere, nur vom Vögeln wird gequatscht» ätzte Salomé farbecht in Super-8 im Berlin der 80er ins Mikrophon.

Eidgenossen sind offensichtlich giggerig. Wie das im Zugabteil verwaist zurückgebliebene Westschweizer Revolverblatt Le Matin titelt, haben die Schweizer sogar Lust auf mehr und erreichen in der hausgemachten Gruppensex-Rangliste den ehrenhaften Bronzeplatz in Europa — Respekt!

Zufällig wurde am selben Tag im Nordostschweizer Blick am Abend die brünstige Serviertochter Heidi mit ihrem auserlesenen Musikgeschmack und ziemlich ausgefallenen Hobby vorgestellt:

Sprachgrenzenlos oversexed and underfucked — perhaps.

Autismus

Die Mundartler haben im Kanton Zürich ein Machtwort gesprochen und Hochdeutsch „grundsätzlich“ aus dem KindergartenChindsgi verbannt.

Somit wird In den staatlichen Kindergärten der Unterricht künftig exklusiv auf Züritüütsch erfolgen und die radebrechenden Deutschschweizer werden ihr Sprachvermögen weiterhin am Fernsehapparat mehren.

Helvetia zero points.

Spätzle über alles

Während in Berlin-Kreuzberg wie immer zünftig, aber vorbildlich friedfertig in den Mai hinein gefeiert wurde, tanzten schiesswütige Amis und teutonische Nazis aus der Reihe.

Die einen versenkten einen Zombie indianischer Provenienz, die anderen tonnenweise schwäbische Teigwaren.

Ein im Spätzleparadies ortsansässiger und daher schlachtfester Nitzel-Möger berichtete, dass sich einheimische Glatzen zunächst für 2 Mio ΕΥΡΩ an Spätzle mit brauner Sosse in der Heilbronner Bahnhofsgaststätte labten, bevor sie sich beim lokalen Arbeitsamt als reinrassige Spatzen bewerben wollten. Leider war die Agentur für Arbeit am Tag der Arbeit aber geschlossen.

Nun kam den nationalen Spatzen vor lauter Ärger die viele Sosse wieder hoch, und sie ergaben sich vereint in den gerade vorbeifliessenden Fluss.

Die völkischen Spatzenhirne genossen so zum Trost einen herrlichen Blick auf den braun gefärbten Neckar, derweil die grünrote Polizei lieber den Fahrradweg sicherte.

Sprachforderung

Natürlich sind es wieder einmal die lustigen Volksmutanten von der Schweizer Volkspartei, welche instinktsicher mit der Bevölkerung Witterung aufnehmen und eine Initiative für die Deutschschweizer Mundarten lancieren.

Im Kanton Zürich wird seit 2008 im Kindergarten (Vorschule mit obligatorischem Besuch) teilweise auf Schriftdeutsch (Standardsprache) unterrichtet, wobei die Kinder frei parlieren können, ganz wie sie wollen. Eigentlich sinnvoll: frühzeitig angeboten erlernen Kinder leichter Fremdsprachen und das Schweizerdeutsch besitzt als Mundart keine (einheitliche) Schriftsprache.

Die angestrebte Rolle Rückwärts der Hauchdeutsch-Nerds soll das Schriftdeutsche komplett aus dem Kindergarten verbannen. Mundart sei Beziehungssprache und ein Kulturgut, der pädagogische Nutzen der Standardsprache hingegen nicht nachgewiesen.

Stimmt.

Schwiizertüütsch ist amüsanter.

Hasenhobel 20.11

Auf den ersten Blick ist im direkten Vergleich zur Vorgängerversion keine grundsätzliche Trendwende zu erkennen, der Gesamteindruck vielleicht aber aufgrund der gestiegenen Erwartungshaltung gerade deshalb eher enttäuschend.

Geritten wird der Bock heuer zwar stilgerecht auf einer Satteldecke aus Lammfell und die Hühner sind nun in den Getränkehalterungen sicher verstaut. Die künstliche Flora wurde jedoch reduziert und an Aufklebern ebenfalls gespart, was insgesamt zu einer ärmeren Anmutung führt.

Was im letzten Jahr noch der Frühjahrsschocker der Wohnmaschine war, ist in diesem Jahr kein reiner Hingucker mehr. Eher schon entsteht der Eindruck blosser Pflichterfüllung, welche wiederum ursächlich für eine spürbar aufkommende Lieblosigkeit sein mag. Gewohnheit ist halt aller Harley Anfang…

Lynchjustiz

Liebe Rätselfreunde,
zum Wochenstart gleich ein neues packendes Rätselbild zum mitraten:

Welcher Unhold wird hier zum Scheiterhaufen gefahren?

Neu! Jetzt mit Zusatzchance!

Da beim letzten Rätsel leider keine richtige Lösung einging, wird der Jackpot in Form von Knallerbsen für die treffsicherste Schätzung der Brenndauer ausgeschüttet!

Frauenstimmen

«Die Frauen stehen hierzulande stärker links als die Männer. Mehr noch: Sie driften immer weiter gegen links.»

Eine ernüchternde Zwischenbilanz.

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Der Schweizer gewährte 1971 nur kurz nach dem Jemen aber noch vor Bangladesch den Frauen eine Stimme. Im Appenzeller Land allerdings wurde das Frauenstimmrecht erst nach einer 19 Jahre währenden Farce schliesslich 1990 von Justitia selbst umgesetzt.

Gulagchampagner

Die Infragestellung staatlicher Kunst- und Kulturförderung in der Schweiz findet ihren reisserischen Ausdruck auf der Titelseite der Weltwoche, dem national-konservativen Sprachrohr der geistigen Landesverteidiger. Dort wird behauptet, Kunst komme von Kassieren und man führt Nachforschungen über Kultur-Subventionen durch.

Dass es im Kulturbetrieb Seilschaften gibt, dass es im Gedränge um die besten Plätze am Futtertrog zu Günstlingswirtschaft und Neid kommt ist offensichtlich. Staatliche Kunstförderung und deren Verteilung ist ein wohl bekanntes und immer wiederkehrendes Streitthema: wie viel Kunst soll und kann sich eine Gesellschaft leisten — was kann und soll Kunst leisten? Kann sich in einer modernen Zivilisation Kunst und Kultur den kapitalistischen Marktmechanismen ohne allzu grosse Reibungsverluste aussetzen?

Doch der populistisch getünchte neoliberale Kulturrevisionismus, einhergehend mit der Ab- und Umlenkung einer gerade noch lauwarmen Abzocker-Debatte, ist blosse Propaganda. Aber völlig klar, die plumpe Rechnung muss ja irgendwie halbwegs aufgehen: Künstler sind eher progressiv und weltgewandt, subventionierte Bauern meist konservativ und lokalpatriotisch. Und ein gut abgehangener Anker ist halt währschaft und kein Nestbeschmutzer.

Dreikönig

Jawohl ja, das Tripple ist geschafft:

Was im letzten Jahr noch schieres Glück war, wird allmählich zur Routine. Obwohl die harte Konkurrenz heuer personell deutlich verstärkt auftrat, war der Titelverteidiger nicht zu beeindrucken. Reichlich abgeklärt fingerte er aus dem vorletzten Brötchen den begehrten Plastikkönig.

Zwar König für nur einen Tag, doch dies gleich dreimal — Schlag auf Schlag auf Schlag!

Urbi @ Orbi

Mit dem Segen Urbi et Orbi ist nach katholischer Lehre allen, die ihn hören oder sehen und die guten Willens sind, ein vollkommener Ablass ihrer Sündenstrafe gewährt. War zunächst für diesen Empfang die Anwesenheit auf dem Platz oder in Sichtweite des Spenders notwendig, so kann der Segen seit 1967 auch über Radio, seit 1985 über das Fernsehen und seit 1995 sogar über das Internet gültig empfangen werden.

aus wikipedia

Legalizeit

Anfang November wird in Kalifornien über die völlige Freigabe von Cannabis abgestimmt. Damit wird auch die Entscheidung gefällt, ob im US-Bundesstaat die Kreuzung Swiss Sativa mit einer Schoggi-Geschmacksnuance legal angebaut werden darf.

Die Zahl der Yay-Sayer dürfte dort drüben ähnlich hoch sein wie in der Schweiz, wo 2008 eine Legalisierungs-Initiative immerhin 36,8 Prozent Zustimmung erhielt. Hinterliesse der in Bälde abtretende Gouvernator ein Kifferparadies, wäre dies zweifellos eine reine Skurrilität.

Cannabis wird zunehmend gesellschaftsfähig und für die selbstgebastelte Heimorgie hier noch ein paar mutige Cocktails.

Bom schankar.

Ausscheidung

Das Hochgebirge der Schweiz scheidet zwei über die Landesgrenzen hinweg bekannte Abwässer aus: den Rhein und die Rhône. Aus hygienischen Erwägungen werden beide gründlich gereinigt bevor sie sich ins jeweilige Nachbarland ergiessen. Der Rhein wird im Schwäbischen Meer tapfer nach Kehrwochenplan (immerhin drei Parteien!) geputzt während die Rhône ihre mitgeführten Ballaststoffe einfach im Lac Léman sinken lässt.

Vom Seeausfluss auf Genfer Stadtgebiet bis hin zur Grenze nach Frankreich benötigt die aufgeklärte Rhône bei sommerlicher Fliessgeschwindigkeit schlappe zwei Stunden. Diese Zeitspanne nutzen findige lokale Bootsbauer, um beim alljährlichen radeaux du Rhône genevois mit ihren selbstgebastelten Wasserfahrzeugen gemütlich flussabwärts zu driften. Konstruktionsbedingt havarieren einige der Prototypen schon kurz nach dem Stapellauf, weil schlichtweg das archimedische Prinzip unterschätzt wird.

Nichtsdestotrotz wird bei diesem lustigen Treiben auf dem Wasser tüchtig gefeiert, viel getrunken und ausgeschieden — und so kommt die Rhône an einem Samstag im Jahr etwas trüber rüber.

Schlussgang

Als beim Eidgenössischen ein junger Berner Senn nach sieben Siegen ensuite bereits vor dem letzten Gang uneinholbar in Führung lag, war das Kopfzerbrechen von Jury, Fachleuten und Zuschauern gross, ob — im etwaigen Falle einer Niederlage im traditionellen Schlussgang — er lediglich als Erstgekrönter oder trotzdem zum König ausgerufen werden solle.

Emporkömmling Wenger Kilian liess aber an jenem heissen Wochenende alles kalt und er bodigte schlussendlich auch seinen achten Gegner.

Ein Hüfter komplettiert den totalen Sieg

Für den neuen Schweizer Liebling steht IMG als Vermarkter parat und der Lidl-Stucki jetzt etwas dumm da. Trotz langatmiger Positionierung als urchige Marke hat er sich zu billig an den Falschen verkauft und wird nun auch noch mit rechtem Gedankengut („Schweizer kann jeder werden, Eidgenosse nicht“) in Verbindung gebracht. Marketingtechnisch reiner Sepukku.

Generell werden durch die zunehmende Gigantonomie des Älplerfestes selbst kleinere Nachbeben innerhalb der Schwingerszene medial verstärkt.
Ein typischer Fall des dialektischen Umschlags von Quantität in Qualität.

Als Schmankerl zum Saisonausklang noch ein eindrücklicher Hintergrundbericht einer (professionellen) Besucherin des Eidgenössischen Schwingfestes und ein für Nicht-Helveten aufschlussreicher Artikel in der FAZ.

Gut Schwung!