In den Eidgenössischen Medien köchelten die Wellen mächtig hoch aufgrund von Äußerungen des bundesdeutschen Finanzministers, welcher die „Steueroase Schweiz“ an den Pranger gestellt wissen möchte.
Steinbrück hatte auf einer OECD-Konferenz in Paris dafür plädiert, die Schweiz auf die Schwarze Liste jener Länder zu setzen, die Steuerbetrug förderten. Laut dieser Liste würde sich die Achse der fiskalischen Bösen von Andorra, Monaco und Liechtenstein um eben die Eidgenossenschaft erweitern. Steinbrück drohte undiplomatisch: „Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.“ Der deutsche Botschafter wurde daraufhin ins Außenministerium in Bern einbestellt, um das Missfallen der Schweizer Regierung über Steinbrücks Äußerungen deutlich zu machen.
Im hiesigen Fernsehen wurden zwei deutschstämmige Einwanderer vorgeführt, die gerade Kurse für Schwyzerdütsch besuchten (!) und Aussagen machten, mit denen sie der vom großen Kanton gerade etwas lädierten Schweizer Volksseele anerkennend beistanden. Gelungene Propaganda: Deutsche Arbeitsflüchtlinge kritisieren die hohen Steuern in ihrem Heimatland, stellen die Bundesrepublik gar als Steuer-Gefängnis dar und lobpreisen das steuerliche Paradies in der gastlichen Konföderation.
Im selben Beitrag prophezeite die Schweizer Außenministerin die Verstärkung antideutscher Ressentiments. Dass der Deutsche allzu gerne seine bisweilen unverschämt großen Klappe aufreisst, wird hier eben überhaupt nicht gerne gehört und das Wort von der „Peitsche“ als Bedrohung der Souveränität aufgenommen.
Andererseits scheint man in der Schweiz die Folgen globaler fiskalischer Interaktion weiterhin ungeniert für sich zu nutzen wollen. Aufgrund der exklusiven Insellage erzeugt man einen gewissen monetären Unterdruck, durch welchen ein steter Kapitalzufluss von außen gewährleistet wird. Die geschickt ausgeübte Neutralitätspolitik der Schweiz unterstützt dies in passender Weise administrativ. Dass dadurch die steuerliche Belastung der Eidgenossen im internationalen Vergleich eher gemindert wird scheint mir auf der Hand zu liegen, denn wenn trotz niedriger Steuerbelastung zwei, drei Millionarios in einer Gemeinde gemeldet sind, profitieren eben alle davon. Und hierzulande gibt es eine richtiggehende Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen Kantonen um die ertragreichsten Kühe – der Nachbarkanton bietet einfach einen niederen Steuersatz an und schon zieht das Kapital eben dorthin um. Die wirklich fette Kühe schliesslich bezahlen den Steuersatz erst gar nicht, sondern einigen sich auf pauschale Zahlungen.
Die Lobbyisten vom Forum Finanzplatz Schweiz machen deutlich: „Der Schweizer Finanzplatz ist aufgrund seiner Wirtschaftskraft von herausragender Bedeutung für unsere Volkswirtschaft. Es ist wichtig, dass der Schweizer Finanzplatz auch in Zukunft stark und leistungsfähig bleibt. Die Voraussetzung dafür sind gute Rahmenbedingungen – dazu gehört auch der Schutz der Privatsphäre.“
Aus einem Klassiker (aber nicht VOM Klassiker selbst):
„Kapital flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“
T. J. Dunning zitiert von Karl Marx in Das Kapital Bd. 1 S. 788, MEW 23, Berlin 1962

Update: Adam von der Schengengrenze gibt Gratis-Tipps
http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/bankgeheimnis_steuerstreit_tonfall_1.2015777.html
Bankgeheimnis weiter auf Rückzug
http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/finanzmarktaufsicht_bankgeheimnis_ubs__1.2037969.html
Botschafter auf Trab:
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/schweiz_deutschland_botschafter_zitiert_steinbrueck_1.2208590.html
Schweiz und Deutschland spielen Indianer
http://www.blick.ch/news/schweiz/schweizer-gegenwehr-schockiert-den-peer-114755
und dabei taucht der hässliche Deutsche mal wieder auf
http://www.zeit.de/online/2009/12/steinbrueck-schweiz-nazi-vergleich