Wortlaut 91-11

Ausländerfrei durch ethnische Säuberung aus Furcht vor Überfremdung ist Quatsch mit brauner Sosse.

Nicht gerade Peanuts ist die Diätenanpassung, welche die Rentnerschwemme ganz vornehm als Wohlstandsmüll durch sozialverträgliches Frühableben quasi recycelt.

Als Kollateralschaden in der national befreiten Zone mutieren selbsternannte Gotteskrieger von Ich-AGs zu frischem Tätervolk.

Reines Humankapital ist durch gestiegene Entlassungsproduktivität selbst bei Freiwilliger Ausreise unprofitabel.

Und sowieso ist die Herdprämie für notleidende Banken völlig betriebsratsverseucht.

Alternativlos geworden begehen dumpfe Morlocks Döner-Morde.

Worte 71-11

Die aufmüpfig gewordene Szene diskutiert in einer konspirativen Wohnung den Holocaust. Der Rasterfahndung nach einer Nulllösung in der Ellenbogengesellschaft folgt ein Heißer Herbst.

Ein Umweltauto schafft es mit Glykol bis nach Tschernobyl. AIDS, Kondom und Gesundheitsreform schränken die Reisefreiheit in die neuen Bundesländer ein.

Das Feindbild Besserwessi sorgt für Politikverdrossenheit und Sozialabbau im Superwahljahr. Multimedia gibt es ausschliesslich im Sparpaket, gleichwohl trägt der Reformstau das angesagte Rot-Grün.

Das Millennium wird von der Schwarzgeldaffäre eingeläutet und der 11. September erscheint als Menetekel für den Teuro. Das alte Europa darbt trotz Hartz IV, während die Bundeskanzlerin auf der Fanmeile menschelt.

Nach überstandener Klimakatastrophe sorgt die Finanzkrise für eine Abwrackprämie, welche beim Wutbürger einen Stresstest auslöst.

Kebabträume

Mitte der 60er-Jahre kam Bergman zu uns in den Kindergarten. Bergman brachte, neben seiner Schwester Tamara, eine Prise Exotik mit, denn in der Gegend wohnten — abgesehen von den Rucksackdeutschen — keine Ausländer. Bergmans Familie wohnte nicht in der direkten Nachbarschaft: sie fand Logis im Dachgeschoss einer Tischlerei, der Arbeitsstelle von Bergmans Vater.

Bergmans Vater half meinem Vater beim Innenausbau unseres Hauses, um den gewachsenen Platzansprüchen Raum zu geben. Seine fremde Erscheinung, orientalisch akzentuiert mit einem dicken schwarzen Schnurrbart, imponierte uns Kindern. Er kam gerne zu uns und arbeitete gut mit meinem Vater zusammen — fast wurden sie richtige Freunde.

An Tamaras Geburtstag gab es frischen Bienenstich von der Bäckerei; vielleicht getraute sich Bergmans Mutter einfach nicht, uns unbekannte Baklava aufzutischen, vielleicht wollte sie keinen Anfängerfehler in den ersten Assimilationsversuchen begehen. Jedenfalls gab es Bienenstich vom Bäcker bislang nicht einmal bei uns zu Hause! Der bei Tamara war besonders fein und blieb bis heute im Gedächtnis haften.

Als Bergmans Eltern später zurück in die Türkei gingen, stand dort das erarbeitete Mietshaus parat. Bergman und seine Geschwister blieben hier, und ihre Eltern kamen dann auf Besuch nach Deutschland, um die Enkelkinder zu sehen.

Mittlerweile ist die Türk-Kültür fester Bestandteil der elterlichen Nachbarschaft — die Häuser der Rucksackdeutschen werden zusehends von türkischen Familien aufgekauft. Die Nachbarskinder klingeln bei meinen Eltern oft an der Haustüre, um Selbstgebackenes vorbei zu bringen. Baklava, Börek und Lahmaçun sind keine Fremdworte mehr und Ibrahim Tatlises löst längst keinen Hörsturz mehr aus.

Und heute bin ich selber ein Türke von morgen.

Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei!

Weissgeldstrategie

Auf CH-Banken geparktes Schwarzgeld rein zu waschen, dauert schon etwas. Einigen teutonischen Anlegern zu lange, und so versuchen sie ihr eingeschafftes Vermögen wieder auszuschaffen, bevor es Zwanzig 13 schlägt oder herber Griechischer Wein den Kurs weiter verwässert.

Die Schweizer Bankster zahlen aber mittlerweile nur noch bescheidene Bar-Beträge aus, weil sie fürchten, den mit dem Grossen Kanton ausgemauschelten Ablasshandel aus der eigenen Schatulle alimentieren zu müssen.

Guy Fawkes Maske zum Ausschneiden

Leutselig getraut sich der nach der milliardenteuren Londoner Zocker-Nullnummer vorerst interimistisch eingesetzte UBS-Chef Ermotti halbwegs Eier zu zeigen, anstatt wie gewohnt weiter herumzueiern:

«Die Schweiz ist reich geworden durch Schwarzgeld. Wenn wir überall einen Schwarzen Peter verteilen würden, wo unversteuertes Geld drin ist, wäre die ganze Bahnhofstrasse voll von Schwarzen Petern.»

Von einem der ihren blossgestellt zu werden, ist fast schon ketzerisch und getroffen jault das hiesige Finanzestablishment auf. Alle Hoffnung gilt nun der baldigen Ankunft des Messias am Paradeplatz. Insiderwissen wird der schiffsflüchtige Ex-Oberbankster von der Deutschen Bundesgang für die 2 Mio. Handgeld (plus Salär, plus Aktienpaket, plus Bonus) schon genügend mitbringen, um den Strategiewechsel profitabel zu deichseln.

Aus Schwarz wird Weiss, Hauptsache die Kohle bleibt hier.

Schlanderei

Auch der Hobbyschweizer hat sich beim Studium der Yülcel-Kolumnen zum globalen Prollsport vor Lachkrämpfen den Bauch gehalten. Sowohl letztes Jahr bei den Jungs, wie auch dieses Jahr bei den Mädels waren die Leser-Reaktionen in der TAZ die perfekt abgeschmackte Zutat. Zumeist völlig humorbefreit hat sich die grünalternative Spiesserschaft mit Leserkommentaren tapfer selber blamiert und ziemlich nackig gemacht.

Die 30 Riesen sind als Schmerzensgeld völlig ok und der Wrobel Ignaz tät sich bestimmt mitfreuen:

„Dürfen darf man alles – man muß es nur können.“

Früheinkehrer

Die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des fünfzigsten Zapfenstreichs der Wanderfreunde Laufender Durst fanden ihren krönenden Abschluss in der Hohenloher Trinkheilanstalt Zureinkehr. Die Fremdenzimmer waren gastlich, das Wetter wonnig und die Herbstluft würzig.

Keine Umkehr ohne Einkehr
Jungvolk auf altväterlichen Spuren
Fünf ist Trümpf!
Dürstende Wandersleute beim Zapfenstreich

Die Wanderkameradschaft freut sich schon jetzt auf das nächste Wiedersehen beim Jubiläumsfest Zweitausendeinundzwanzig!

Sauschwaben

Schwaben tun sich nicht nur mit dem Zungenschlag schwer. Auch in Sachen Zuneigung von Nicht-Schwaben benötigen sie dringend Nachhilfe. Ein Zeitungsausträger aus Berlin-Neukölln hat jüngst gestanden, aufgrund chronischem «Schwabenhass» Kinderwagen im Bezirk Prenzlauer Berg abgefackelt zu haben.

Porno-Hippie-Schwaben raus aus Mitte! — selbst die joviale Mittwoch-Schicht im Stimmungslokal Mysliwska versuchte mit solchen Parolen bereits um die Jahrtausendwende den angehenden Hobbyschweizer vom Barhocker zu moppen — doch, Moment mal, Feuer hin, Brand her: sind die in Schwabenhausen zuhauf abgefackelten Automobile nicht fast allesamt süddeutscher Provenienz?

Audi, BMW und Mercedes-Benz sind unser Unglück?!

Von der Eidgenossenschaft wurde seit den Schwabenkriegen ein klarer Grenzstrich gezogen und der nachbarschaftliche Streit mit den Schwaben beschränkte sich auf blosse Verbalinjurien. Seit aber die nördlichen Nachbarn auf der Suche nach Milch und Honig vermehrt den Rhein überqueren, sinkt die Reizschwelle wahrnehmbar.

Noch spielt die sich naiv gebende rechtsnationale SVP heutzutage nur mit faschistoider Propagandaästhetik. Sie würde sich kaum erlauben, das im obigen Plakat (mit grenzwertigem Humor) vom Juden zum Schwaben mutierte Feindbild zu übernehmen, obgleich derartige Personifikationen ziemlich treffend das paranoide Weltbild ihrer Anhänger beschreiben.

Die SVP ist aber bauernschlau genug, die zugewanderten Sauschwaben aller Länder für die Migrationsfolgen in der Schweiz haftbar zu machen und der eifrig geschürten Angst vor Überfremdung das Heilsversprechen einer Helvetisierung entgegenzusetzen.

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PS: Historische Hintergründe zum Thema Sauschwaben hier.
Ein eher zeitgeistliches Essay findet sich da.

Spätzle über alles

Während in Berlin-Kreuzberg wie immer zünftig, aber vorbildlich friedfertig in den Mai hinein gefeiert wurde, tanzten schiesswütige Amis und teutonische Nazis aus der Reihe.

Die einen versenkten einen Zombie indianischer Provenienz, die anderen tonnenweise schwäbische Teigwaren.

Ein im Spätzleparadies ortsansässiger und daher schlachtfester Nitzel-Möger berichtete, dass sich einheimische Glatzen zunächst für 2 Mio ΕΥΡΩ an Spätzle mit brauner Sosse in der Heilbronner Bahnhofsgaststätte labten, bevor sie sich beim lokalen Arbeitsamt als reinrassige Spatzen bewerben wollten. Leider war die Agentur für Arbeit am Tag der Arbeit aber geschlossen.

Nun kam den nationalen Spatzen vor lauter Ärger die viele Sosse wieder hoch, und sie ergaben sich vereint in den gerade vorbeifliessenden Fluss.

Die völkischen Spatzenhirne genossen so zum Trost einen herrlichen Blick auf den braun gefärbten Neckar, derweil die grünrote Polizei lieber den Fahrradweg sicherte.

Wahlfälschung

Die Schicksalswahl im Ländle endet mit einer dreisten Überraschung: trotz der von allen Beobachtungsstationen weitgehend übereinstimmend übermittelten Messwerten eines deutlich gesunkenen Anteils an der Gesamtstimmung bleibt die dunkle Seite der Macht aufgrund eines rigorosen Eingriffs in die Wahlmaschinerie weiterhin übermächtig.

Mafioso beim Betreten des zentralen Wahllokals

Hauptverantwortlich für diesen wahltechnischen Super-GAU ist ein leidlich bekannter Mafioso, welcher beim Fälschen des zentralen Wahlcomputers von der Überwachungskamera erfasst werden konnte.

Mafioso beim Fingieren der Wählergunst

Die Folgen dieses Desasters sind noch nicht in aller Gänze abzuschätzen, sicher scheint bislang nur, dass es leider auch in Zukunft unnötig viele verstrahlte Kinder geben wird.

Trauriger Kolateralschaden: völlig verstrahltes Kleinkind

Delikat Essen XXII

Heimweh-Würste für Deutsche

An der Langstrasse 238a im Kreis 5 hat ein neuer Wurststand eröffnet. Die beiden Betreiber Michael Marchetto und André Sigrist legen den Schwerpunkt auf die deutsche Spezialität Currywurst, die auch zum Namen des Lokals, Körry, inspirierte. Angeboten werden gemäss Mitteilung die gleichen Würste, welche die beiden bekannten Berliner Imbisse Curry 36 und Konopke´s Imbiss verkaufen. Dazu gibt es die Currysauce der Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer. Dies soll die „Herzen der deutschen Kundschaft höher schlagen“ lassen. Weiter im Angebot stehen original Thüringer Rostbratwürste und St. Gallener Olma-Bratwürste der Metzgerei Schmid. Cervelats fehlen auf der Karte, da diese nicht den Qualitätsvorstellungen der Betreiber entsprechen.

aus Tagesanzeiger Zürich