Erfolgsfans

In der eigentlich eher missgünstig gestimmten Schweiz sorgt der Lena-Faktor der megamultikulturellen Teutonen-Titanen für temporäre Überläufer. Zumindest laut Boulevard:

Auch die populistische Hupfdohle Angela kann die positive Tschörmanie nicht verhindern. Aber die Spanier. Und deren ausgelassenenes Hupkonzert hier um den Block ist zum Fürchten und kleinkinderfeindlich…

Trotzdem wird Uruguay Handball-Weltmeister.

Innereien

In der Halbzeitpause des Feldzuges der Restgermanen gegen die Altherrenriege aus Australien war ich kurz zufällig Gast bei einem grossdeutschen Sender und wurde durch eine ziemlich gewagte Metapher der Moderatorin belohnt irritiert.

Reichsparteitag und Miroslavs Innenleben, hm, ein Gschmäckle hatte es schon, aber ich wollte meinen Ohren nicht recht trauen. Vielleicht steckten einfach zuviele summende Uweseelers im Hörkanal, zumal meine Frage an die Mitgucker „Was hat die gerade gesagt? Hat die wirklich dingens gesagt?“ nicht schlüssig beantwortet wurde, sondern mit der Gegenfrage gekontert wurde, was denn so ein Reichsparteitag überhaupt sei.

Sind doch herzige Menschen diese Schweizer.

Flugs wieder zu den Tröten im Schweizer Fernsehen umgeschaltet (ja — die waren dort wirklich viel lauter zu hören!), allein schon weil deren Kommentator nicht eingedeutscht war…

Sehr geehrter Herr Hofmann,

vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF und Ihr Interesse an unserer Übertragung des WM-Spiels Deutschland – Australien.

Wir können Ihre Kritik an der Äußerung Katrin Müller-Hohensteins durchaus nachvollziehen und verstehen. Durch die Zusammenarbeit mit unserer Moderatorin möchten wir Ihnen darüber hinaus aber auch versichern, dass sie niemals die Absicht hat, die Gefühle unserer Zuschauer zu verletzen.
Auf der anderen Seite basiert die hohe Beliebtheit von Katrin Müller-Hohenstein als Moderatorin beim Fußball gerade eben auf ihrer Spontaneität und ihrer Schlagfertigkeit.

Deshalb möchten wir Sie bitten, der besonderen Situation in einer Live-Sendung Verständnis entgegenzubringen, die jeden Moderator in ganz außergewöhnlicher Art und Weise fordert. Wir meinen, dass man da nicht jedes einzelne Wort auf die Goldwaage legen sollte. Selbstverständlich haben wir Katrin Müller-Hohenstein und die Sportredaktion über Ihren berechtigten Hinweis aber bereits informiert.

Wir hoffen, dass Sie uns auch in Zukunft als Zuschauer gewogen bleiben.

Mit freundlichen Grüßen
Rita Böcklen
ZDF, Zuschauerredaktion

Integrationsrechnen

Um den ungehobelten teutonischen Invasoren eidgenössische UnterwürfigkeitHöflichkeit beizubringen, hängt man in Zürich jetzt solche Plakate:

Mir macht der augenzwinkernde blondbärtige Onkel irgendwie Angst — ob die Rechnung auf beiden Seiten tatsächlich aufgeht?

Switzerland zero two pointsLa Suisse zéro deux points.

Bitte, wenn es keine Umstände macht, könnte hier vielleicht noch der eine oder andere Brüller versteckt sein.

Licht aus — Spot an!

Im Cern bei Genf probt man am 30. März 2010 den Weltuntergang.

Vielleicht klappts ja damit, obwohl das Bundesverfassungsgericht in Deutschland keine Angst vor einem Schwarzen Loch zu haben scheint.

Hinterher ist man wie immer klüger, aber womöglich kann man aus dem Schweizer Schwarzen Loch dann keine Postings mehr senden, weil Zeit und Raum zu krumm, die Masse zu verdichtet und überhaupt viel zu dunkel zum Tippen, also dünkte dem Hobbyschweizer, besser jetzt noch schnell Bescheid zu geben.

Eigentlich hat der Untergang wie jedes Jahr den 30. Mai als fixen Termin. Oder haben Inkas, Mayas, Nostredämons, Mitleser und andere Spinner noch weitere Terminvorschläge?

Plagiators Senf

Pandemrix wird bevorzugt ab dem Alter von 6 Monaten empfohlen, da dieser Impfstoff mit einer einzigen Dosis in jedem Alter einen sehr guten Schutz bewirkt (ausser bei immunsupprimierten Personen).

Mit dem alternativen Impfstoff Celtura sind bei Personen im Alter von 3-9 sowie ab 60 Jahren 2 Dosen im Abstand von 3 Wochen notwendig. Für Erwachsene im Alter von 40-59 Jahren können die beiden Dosen Celtura gleichzeitig (in unterschiedliche Extremitäten) verabreicht werden.

Paradoxerweise kommt Hype Axolotl kaum auf der gemeinen Strasse zum Einsatz, zumal der kleine Molch ausschliesslich im Wasser lebt. Der Steinfest Heinrich aber würde das Urviech gegebenenfalls wie Nervöse Fische intertextuell in der Berliner Donau ansiedeln.

Doch für solche Kindereien ist der österreichische Meister einfach zu originell.

Witzlos

Übrinx von spreeblick.com angestiftet und flugs geklaut.

Kein Witz ist leider jenes Euronengrab, welches mittlerweile etwas Grabpflege erfuhr aber bei Erscheinen dieses Blog-Eintrages (dank Google-Cache) ungefähr so aussah:

„Buchstabebasis“ – hach!

Immerhin haben sich 14 Deppenexperten gefunden, um Grabbeigaben beizulegen…

Berlinskaja

Sehenswert in Berlin sind

Kottbusser Tor unter Tage:

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Alexandraplatz über Tage:

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Frankfurter Tor am Spättag:

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Sonst gibt es in Berlin eigentlich nicht viel zu sehen. Ausser einem Geysir vielleicht.

Viele haben dort eine grosse Klappe (schön von Riesen quasseln, aber gesehen haben wir keine und geben tut es die eh nicht und wenn überhaupt, dann nur im Fernsehen), andere sind einfach Spinner wie der Typ an der Tram-Haltestelle am Frankfurter Tor, der auf mein Erstaunen ob der Telefonbücher unter seinem Arm (drei Stück: Das Örtliche in 2 Bänden und die Gelben Seiten) tatsächlich meinte: Die Kommunikationsserver brächen bald alle zusammen, alles bricht sowieso zusammen, weil in 42 Millionen Kilometer Entfernung ein intergalaktisches Mutterschiff bei der Sonne in Warteposition parkiere und nur noch auf ein Zeichen von einem Wandelplaneten wartet, um den Erdlingen zunächst mächtig Angst und anschliessend irgendwelche Erkenntnisse einzujagen. Alle Regierungen wüssten bereits davon, aber das Wissen werde geheimgehalten, um Panik zu vermeiden. Von Australien aus könne man zur Zeit eben jenen zwölften (!) Planeten beobachten, von welchem der äusserlich völlig normal erscheinende Typ mir auf seinem Handy sogleich ein Photo zeigte (auch etwas unscharfes vor/neben der Sonne war auf einem weiteren Bild zu erahnen) und dazu irgendwas von einem braunen Riesen faselte, welcher alle 3600 Jahre vorbei käme.

Schon wieder diese Riesenmär!

Er hat mir noch andere obskure Bildchen auf seinem Handybildschirm präsentiert, die er mit phantastisch abgedrehten Geschichten untermalte, aber bevor ich ihn fragen konnte, ob er denn mit den Ausserirdischen mittels seines tollen Handapparats direkt in Kontakt stünde, kam schon meine Bahn, die mich dann durch das Kreuzberger Wurmloch in meine eigene Parallelwelt zurück transportierte.

Ach ja, auf den Bildern oben kann man das Mutterschiff ganz gut erkennen…

Landigeister

Die geistige Landesverteidigung ist eidgenössische Metapher für die hiesige Spezialität der Abgrenzung nach Aussen und kulturellen Konzentration auf heimatliche Werte. Diese Art wehrhafter Igelstellung wurde in den 1930er Jahren ursprünglich als antifaschistisch geprägter urchiger „Landigeist“ mystifiziert. Noch heute aber spukt jenes Überbleibsel aus heissen und kalten Kriegszeiten speziell in patriotisch gesinnten Köpfen. Beim wilfing schliesslich auf der Hauptseite der heute cybertechnisch gut ausgerüsteten ambulanten Landesverteidiger angelangt, überkam mich ein ungläubiges Staunen über die dort ausgebreitete Banalität helvetischen Gedankengutes mit ordentlich rechter Schlagseite.

Die von einem aus der Ex-DDR (!) stammenden Versicherungsvertreter in seiner angeblichen Funktion als „stellvertretender Pressesprecher“ betriebene Internetpräsenz geistige-landesverteidigung.ch bietet neben national-paranoidem Geschwurbel ausserdem diverses „infowar“-Material für den weltläufigen Verschwörungstheoretiker. Am Fuss jeder Seite steht „Unsere Webseite darf aus rechtlichen Gründen nur in der Schweiz genutzt werden.“ (Ist dem wirklich so? Kann man vom Grossen Kanton aus nicht auf die landesverteidigende Seite zugreifen?) Unter Nutzungsbedingungen befindet sich der Hinweis: „Telefonate werden mitgeschnitten. Sie erklären sich damit bei einem Anruf einverstanden.“
Das Versicherungsgeschäft scheint eine ausgewachsene Phobie zu erzeugen!

Neben kruden Podcasts – angeboten auf der Subdomain radio-freie-schweiz.ch – stellen die entgeisterten Landesverteidiger auf ihrer Internetbastion jovial Gratis-Banner zur Verfügung, welche aufrechte Eidgenossen zum Schutz vor dem inneren Schweinehund und der Verteidigung ihrer Lieblinge anhalten:

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Innerer Feind? Fast 100 Selbstmorde mit Ordonanzwaffen jährlich!

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Mit dem automatischen Sturmgewehr nationale Patina verteidigen!

Wirklich amüsant süffisant: ein gelernter Ossi stellt anständigen Schweizern den Hort von Freiheit und Demokratie zur Verteidigung anheim…

Schlimme Folgen

Michael Jürgs, Ex-«Stern»-Chefredaktor und Buchautor «Seichtgebiete» befürchtet schlimme Folgen:

Was ist der Unterschied zwischen einem Prolo und einem Proleten?

Ein Prolet ist ein anständig arbeitender Mensch, der vielleicht kein Gymnasium besucht hat. Ein Prolo ist ein tanzender, sich rüpelhaft benehmender Mensch, wie er in den Castingshows zu bewundern ist und dem die Dummheit ins Gesicht geschrieben steht.

Wie erklären Sie sich den Vormarsch der Prolos und deren Castingshows?

Früher gab es genauso viele Blöde, aber sie hatten keine eigenen TV-Kanäle. Diese haben dazu geführt, dass Blödsein salonfähig geworden ist. Schliesslich haben wegen der gestiegenen Arbeitslosigkeit mehr Leute Zeit, sich solche Sendungen anzusehen. Sie müssen die Zeit totschlagen, und genau das wird in diesen Sendungen auch gemacht.

Prolos und blöde TV-Sendungen sind ja keine deutsche Erfindung.

Die meisten werden aus den USA oder England übernommen. Ganz schlimm ist Italien. Berlusconis Fernsehen, das ist ja abenteuerlich. Aber wenn ein Dieter Bohlen oder eine Heidi Klum zu Helden der Nation werden, dann muss man sich ernsthaft fragen: Sind wir eigentlich alle wahnsinnig geworden?

Wie äussert sich das konkret?

Die Kinder benehmen sich in der Schule so, als ob sie jeden Moment auf den Anruf eines Castingservices einer TV-Reality-Show warten würden. Und sie benehmen sich im Alltag wie Rüpel, weil man das im TV ja auch tun darf. Das Fernsehen hat seinen Einfluss ausgeweitet, und das hat schlimme Folgen für die ganze Gesellschaft.

Publiziert am 13.09.2009
von: sonntagszeitung.ch

Pourlapatrie

Der erste August ist in der Stadt Zürich fast wie Silvester im Hochsommer. Diverse Dachparties, Grillieren im Grünen garniert mit einem spätabendlichem Feuerwerk. Es hat auch ganz tüchtig gerummst – zumindest meiner Erinnerung nach deutlich mehr als beim letzten Jahreswechsel.

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Pflichtbewusst habe ich mir die landestypische Cervelat einverleibt und mit einem Schluck Bier runtergespült. Während im Umland nach den Festreden die Höhenfeuer entfacht werden, Alphörner und Flaggenschwinger nationales Ambiente verbreiten (immerhin konnte ich im Oberland einer Probe beiwohnen), sind in Little Big City die landestypischen Folkloredarbietungen leider schon um 17 Uhr beendet. Danach halt Freinacht am Samstach mit den üblichen jugendlichen Knallkörpern und offiziösem Feuerwerk; sehr schööön, weil vom Uetliberg aus geschossen und vom Balkon gut zu betrachten.

Für meine Ersteraugustpremiere als langjähriger Hobbyschweizer habe ich mir eine ganz besondere Aufführung ausgedacht. Bereits vor einiger Zeit war mir ein am Seeufer einsam rumstehender und denkmalloser Sockel aufgefallen; der erste August schien mir geradezu prädestiniert für die Enthüllung der Entweihung…

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