Sauschwaben

Schwaben tun sich nicht nur mit dem Zungenschlag schwer. Auch in Sachen Zuneigung von Nicht-Schwaben benötigen sie dringend Nachhilfe. Ein Zeitungsausträger aus Berlin-Neukölln hat jüngst gestanden, aufgrund chronischem «Schwabenhass» Kinderwagen im Bezirk Prenzlauer Berg abgefackelt zu haben.

Porno-Hippie-Schwaben raus aus Mitte! — selbst die joviale Mittwoch-Schicht im Stimmungslokal Mysliwska versuchte mit solchen Parolen bereits um die Jahrtausendwende den angehenden Hobbyschweizer vom Barhocker zu moppen — doch, Moment mal, Feuer hin, Brand her: sind die in Schwabenhausen zuhauf abgefackelten Automobile nicht fast allesamt süddeutscher Provenienz?

Audi, BMW und Mercedes-Benz sind unser Unglück?!

Von der Eidgenossenschaft wurde seit den Schwabenkriegen ein klarer Grenzstrich gezogen und der nachbarschaftliche Streit mit den Schwaben beschränkte sich auf blosse Verbalinjurien. Seit aber die nördlichen Nachbarn auf der Suche nach Milch und Honig vermehrt den Rhein überqueren, sinkt die Reizschwelle wahrnehmbar.

Noch spielt die sich naiv gebende rechtsnationale SVP heutzutage nur mit faschistoider Propagandaästhetik. Sie würde sich kaum erlauben, das im obigen Plakat (mit grenzwertigem Humor) vom Juden zum Schwaben mutierte Feindbild zu übernehmen, obgleich derartige Personifikationen ziemlich treffend das paranoide Weltbild ihrer Anhänger beschreiben.

Die SVP ist aber bauernschlau genug, die zugewanderten Sauschwaben aller Länder für die Migrationsfolgen in der Schweiz haftbar zu machen und der eifrig geschürten Angst vor Überfremdung das Heilsversprechen einer Helvetisierung entgegenzusetzen.

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PS: Historische Hintergründe zum Thema Sauschwaben hier.
Ein eher zeitgeistliches Essay findet sich da.

Hetzkampagne

Zeitungsinserat der Schweizerischen Volkspartei:

Schweizer sind nett.
Schweizer sprechen langsam. Schweizer wählen gerne.
Schweizer verseuchen den Rhein. Schweizer spielen schlecht Fussball.
Schweizer horten Schwarzgeld. Schweizer vergewaltigen Frauen.
Schweizer bauen Bunker. Schweizer schlagen Deutsche.
Schweizer sind langweilig.

Verschnupft

Investigativer Journalismus fischt auch im trüben Wasser und so liess das Schweizer Fernsehen jüngst eine Kläranlage der Stadt Zürich auf etwaige Drogen-Rückstände untersuchen.

Vielleicht erkennt ja das Staats-TV in der nächsten Folge nach dem ravenden Zusammenhang mit dem Koksboom einen generellen zum Finanzplatz…

Schiffeversenken

Der Höhenflug des starken Franken wird souverän verteidigt von der „besten Armee der Welt“ — gerade auch in und aus der Luft. Der Hauptstützpunkt der Luftwaffe befindet sich bei Payerne in der Broye, zwischen den Kantonen Fribourg und Vaud. Gleich in der Nähe des grössten Schweizer Kriegsflughafens liegt der Neuenburger See, über welchem Flugmanöver und das Feuern auf Wasserziele geübt werden.

Während die Tourismusagenturen den Schilfgürtel des südlichen Seeufers als erholsames Biosphärenreservat kommunizieren, tobt darüber der simulierte Luftkampf.

Nur geschossen wird ausserhalb der Badesaison.

Gewaltmarsch

Mit ihrem permanenten Wahlkampf verstärkt die Schweizer Volkspartei («Schweizer wählen SVP») die latent vorhandenen Ängste der (Land-) Bevölkerung mit fremdenfeindlichen Motiven auf aggressive Weise.

Nach Überstehen des (gewollten) Kulturschocks kommt dem verblüfften Hobbyschweizer das Schunkellied «Die lustigen Stiefel marschieren über Polen» von DAF anno 1980 in den Sinn.

Das Spiel mit nationalsozialistischer Propaganda funktioniert halt prächtig:
Guggus? Dada!

Urinator

In seiner figürlichen Darstellung erinnert unser heutiges Motiv aus dem Kanton Vaud/Waad eher an die Zürcher Schule der Abstraktion. Der welsche Einfluss ist — wenn überhaupt — nur sehr vage durch das hier etwas elegantere Schuhwerk zu erahnen. Während aber der gemeine Züripisser züchtig im gesteckten Rahmen verbleibt, der Genfer Punkpinkler den roten Rahmen bloss frech markiert, gelingt es dem aktuellen Modell diesen tatsächlich zu durchbrechen. Der Blasendruck scheint im Vergleich zu den Vorgängermodellen grösser zu sein und findet Ausdruck in der konischen Form des Urinatorenstrahles. Die Kopfhaltung ist dabei eindeutig zielgerichtet und unterstützt so das gesamte Vorhaben.

Die zusätzlich angebrachte verbalisierte Aufforderung erscheint jedoch überflüssig und konterkariert das Sujet, zumal die vier Rufzeichen entfernt eher an Prostataleiden erinnern.

Killermärchen

Im Durchschnitt waren sie klein und kräftig. In den ersten Tagen meinte er, alle hätten Kröpfe. Sie hatten diese kurzen und stämmigen Nacken, wenig Hinterkopf, eine niedrige und kantige Stirn, darunter zwei Augen mit einem stechenden Blick. Eigentlich blickten sie einen nicht an, sie musterten. Sie hatten ein hartes Leben, aber sie waren stolz darauf.

(aus: Wilhelm Tell für die Schule von Max Frisch)

Schaibu, schaibu!

Im Mai wurde der Schweizer Erstligaverein Xamax Neuchâtel von einem milliardenschweren Rohstoffhändler übernommen. Der tschetschenisch-stämmige Mogul feuerte fast die gesamte Belegschaft auf und neben dem Platz und kündigte sämtliche Sponsorenverträge. Sodann wurde etwas Tschetschenen-Ornament ins neugestaltete Vereinswappen eingepflegt und die Aufmunterung des Publikums erfolgt nun zusätzlich in Kyrillisch.

Überdies wollte der Oligarch den Geldwaschvollautomaten Fussballclub in Neuchâtel Xamax Vainach* umbenennen, was jedoch aus technischen Gründen (Einsendeschluss verpasst) noch versagt blieb.

*„Der Begriff Vainach (Unser Volk) für das tschetschenisch-inguschische Ursprungsvolk ist (…) patriotisch stark aufgeladen“

PS: Zum Saisonauftakt erlitten 5.000 Hobby-Tschetschenen bei immerhin freiem Eintritt eine 0-3 Heimniederlage.

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[edit 25.07.2011]
Entlassung des gesamten Trainerstabes nach Auswärtsniederlage am zweiten Spieltag.

[edit 26.07.2011]
Tschetschenen-Zar verfügt die Absetzung des (von ihm selbst eingesetzten) Vereinspräsidenten.

[edit 20.08.2011]
Die bislang sieg- und torlose Tschetschenen-Filiale Xamax schiesst zwei Tore und holt drei Punkte in Zürich.

[edit 18.01.2012]
Xamax Flasche leer: Auschluss aus dem Ligabetrieb.

[edit 02.02.2012]
Ende Januar kommt der tschetschenische Clubbesitzer wegen «ungetreuer Geschäftsbesorgung» in U-Haft.

Zureich

Bandenwerbung für Auswärtige:

Zugegeben: oben wurde ein überflüssig scheinendes „Z“ nebst Umlaut weg retuschiert und so machts ja auch Sinn.

Nach den heimeligen Claims „Little Big City“ und „Downtown Switzerland“ erklärt Zürich Tourismus Stadt und Kanton nun schlicht zur Weltklasse.

Geltungsbedürfnis + heimische Silberdistel = Swissnessklasse.

Schmitt Pál szerintem is pojáca!

Szervusz miteinand!

Pál Schmitt ist ein Hanswurst. Echt jetzt!

Nachdem das hier und jetzt geklärt ist, schlagen wir flugs einen grossen Bogen von den nationalbesoffenen Magyaren über das alte (Schweizer!) Geschlecht der Habsburger mitsamt ihren etwas seltsamen Riten hin zu einem pathologisch ebenfalls sehr interessanten hiesigen Hanswurst.

Bis auf die Hohlwelttheorie scheinen alle gängigen Verschwurbelungen mustergültig erfasst worden zu sein. En garde!

Hang zum Hang

Am Zürihorn lauschte ich im Frühjahr zum ersten Mal dem wahrhaft wunderlichen Klang eines live gespielten Hang (Berndeutsch für Hand), ein Metallkorpus mit eingekerbten Resonanzfeldern, auf denen perkussive Tonfolgen mit den Händen erzeugt werden. Fasziniert von dem bislang unbekannten Klangspektrum konnte ich dem kajalgeschminkten jungen Musiker immerhin entlocken, dass die Schweizer Erfinder des Instruments es eben schlichtwegs Hang nennen.

Meine anschliessenden Recherchen ergaben, dass ein Original-Hang nicht einfach so zu erwerben sei, sondern man sich dafür quasi bewirbt, um unter Umständen eingeladen zu werden, sich direkt bei den Hangbauern einen Klangkörper aussuchen zu dürfen — ein etwas komplexes Vorgehen. Allerdings scheinen die Erbauer ein alchemistisches Verfahren für die Metallbearbeitung entwickelt zu haben, wohl ursächlich für die kosmisch klingenden Klänge.

Erfreut hörte ich wenige Wochen später den Strassenmusikanten wiederum am Seeufer sein Ding spielen und diesmal konnte ich sogar ein paar Töne einfangen.

Reproduziert klingt die Klangschüssel jedoch nicht annähernd so eindrücklich wie in der Echtzeit, Obertöne und Nebenschwingungen lassen sich einfach nicht einsperren…

Für sich weiter in die Materie einarbeiten wollende Klangforscher liegt ein netter Multilayer mit hübscher filmischer Umsetzung von und mit dem professionellen Hangspieler Manu Delago genau hier bereit — enjoy!