Flugmanöver

Das Züri Fäscht rund um das Seebecken ist das grösste Schweizer Volksfest mit den üblichen Begleiterscheinungen, weshalb es der Stadt auch nur alle drei Jahre zugemutet wird. Schade eigentlich, weil die Feuerwerke pyrotechnische Extraklasse darstellen und diesmal eines nicht nur vom See aus, sondern teilweise in der Luft von Helikoptern abgefeuert wurde – Europarekord!

Eine ganz andere Flugshow bot die Patrouille Suisse mit wild aussehenden Attacken gegen die beige Wand der Wohnmaschine.

Den dazugehörigen Ton bitte mittels Abgasschwaden extrapolieren…

Integrationsrechnen

Um den ungehobelten teutonischen Invasoren eidgenössische UnterwürfigkeitHöflichkeit beizubringen, hängt man in Zürich jetzt solche Plakate:

Mir macht der augenzwinkernde blondbärtige Onkel irgendwie Angst — ob die Rechnung auf beiden Seiten tatsächlich aufgeht?

Switzerland zero two pointsLa Suisse zéro deux points.

Bitte, wenn es keine Umstände macht, könnte hier vielleicht noch der eine oder andere Brüller versteckt sein.

Anschwingen

Das 100. Zürcher Kantonalschwingfest in Wald/ZH wurde nun tatsächlich mein erstes! Der Wetterbericht erlaubte die Ausrichtung kurzfristig — tatsächlich gab es wegen Wetterunsicherheit eine telefonische Auskunft ab 5 Uhr in der Sonntagsfrüh und einen Ausweichtermin.

Erster Eindruck vom Festgelände von hinten

Geschwungen wurde auf dem örtlichen Sportplatz in fünf Sägemehlringen um den Hauptpreis Zucht-Stier Caruso:

Zuchtbulle Caruso in seiner Box hinterm Festzelt

Der Bulle Caruso wurde mit den anderen Lebendpreisen während des Schwingens auf den Platz geführt und dem Publikum vorgestellt. Bestimmt verlieh das Erscheinen von Caruso den Schwingern zusätzlichen Antrieb.

Caruso & Co. im oder am Ring

Im reichhaltigen Gabentempel waren diverse Schreinerarbeiten, Haushaltselektronik, Kuhglocken, Fahrräder, Sportschlitten aber auch iPhones ausgestellt. Für jeden der Schwinger gibt es am Ende einen Preis, selbst für den Letztplatzierten.

prüfende Blicke im Gabentempel

Ex-Teletubby und jetzt Bundesrat mit Zuständigkeit für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport Ueli Maurer war als Ehrengast geladen, schliesslich wohnt er direkt um die Ecke und steht mit seiner Partei sowieso für das eher Bodenständige. In seinem Grusswort offenbarte der Maurer Ueli ihm gäbe ja so eine Veranstaltung viel Kraft für seine Arbeit in der Bundesstadt Bern, weil er die benötigte Kraft gerade an solchen Orten zu solchen Anlässen tanken könne, aber nicht etwa von den hier tätigen Schwingern, sondern von uns ziemlich Gewöhnlichen. Ueli ein Vampir? Er sieht ja ein wenig so aus…

Das Wetter spielte prima mit und pünktlich zur Finalrunde gab es ein heftiges Gewitter, welches den Platz flugs von Neugierigen leerte und das Festzelt blitzartig mit den Flüchtenden flutete. Die Schwinger schwangen tropfnass munter weiter.

Der ultimative Schlussgang war dann kaum zu beobachten, weil Rasenplätze und Holztribüne zu nass zum abhocken und Stehplätze mit freier Sicht rasch vergeben waren. Immerhin bekam ich mit, wie der Toggenburger Abderhalden Urs gegen den Bündner Clopath Beat schnell in Rücklage geriet, verzweifelt versuchte eine Brücke zu halten, dem Druck aber schliesslich nicht mehr gewachsen war und gebodigt wurde. Aus, vorbei und Jubel beim Publikum weil quasi Überraschungssieger.

Zusätzlich zu den Lebendpreisen gab es für die besten Schwinger noch was auf den Kopf, nämlich einen plastifizierten Eichenlaubkranz. Auf den Zuruf „Krönen!“ wurden den vor Dirndelmädchen in ritterlich knieender Haltung verharrenden Schwingern diese Auszeichnung verpasst. Einen solchen Kranz bei Schwingerfesten zu erringen gilt als Erfolg und die Anzahl der gewonnen Kränze gemeinhin als Gradmesser für die Fertigkeiten des Schwingers.

Plaste und Elaste aus Schkopau?

Zusammen mit der vorzüglichen Bratwurst hinterliess meine Premierenschwinget einen währschaften Eindruck. Besonders effektvoll ist das dumpfe Geräusch beim Aufschlagen der massigen Körper auf dem Sägemehlteppich. Dazu ein Jodelchor, Fahnenschwinger, Alphornbläser, Blasmusikkapelle, Gewitterdurchzug — herrlich exotisch det janze!

6erläuten

Weiland am Zürcher Hbf das geordnete Chaos umgeleiteter, ausgefallener und sonderfahrender Tramlinien tobte, sah man derweil klassische Strassenszenen mit zünftig trachtengewandeten Menschen:

Fürs Protokoll hiermit das vorläufig amtliche Endresultat:

Der den Winter symbolisierende Böögg hat knappe 13 Minuten dem Fegefeuer widerstanden — aberglaubend wird das sommerliche Grillwetter damit gut bis mittelprächtig.

Zürcher Vulkanier fackeln nicht lange aber heftig.

Blatterschuss

FIFA-Boss Blatter, selbst aus dem Wallis stammend aber im steuerschonenden Zürich residierend, lästert auf einer im südafrikanischen Cape Town Stadium angebrachten Schautafel mal so richtig ab über die selbsternannte Little Big City.

No more Mr Nice Guy
stubenreine Nestbeschmutzung

Traditionell wird der Walliser an sich in der Rest-Schweiz für nicht ganz voll genommen. Eine hohe Dosis Vuvuzela ist bei diesem Allgemeinzustand eine absolute Kontraindikation!

Zürcher Stadtderby

Der amtierende Schweizer Fussballmeister FC Zürich hält sich hartnäckig am Tabellenende der Schweizer Nationalliga, trotz Straftrainings auf dem Trainingsgelände vor der Bruchbude im Letzigrund. Vielleicht sollten die Jungs besser unter dem einsturzgefährdeten Stadiondach trainieren.

Straftraining hinter Gittern

Zum Derby gegen den Grasshopper Club Zürich brachte ich mich selbst als Glücksbringer mit, hatte ich schliesslich als fremdfreudiger Stadionbesucher in der laufenden Saison eine bislang makellose Bilanz (gegen den Letzten und Vorletzten) aufzuweisen. Stadtderby heisst Volksverein gegen Bonzenverein, verspricht ein annähernd volles Haus was wiederum erhöhte Sicherheitskontrollen und beengten Zutritt nach Wartezeit bedeutet.

Menschenauftrieb

Die klaustrophobische Eintrittskontrolle hinter mir (klar wurde ich ob meines gefährlichen Aussehens abgetastet – der sieht ja wie ein alkoholfreier Balkonraucher aus, der hat bestimmt Pyrotechnik dabei…) kamen heftige Atembeschwerden: die Mannschaften betraten gerade den Rasen, da fackelten die Zürcher aus der Südkurve nicht lange und brannten ihr irgendwie rein geschmuggeltes kunterbuntes Feuerwerk ab — dichter rotgelbweissblaubrauner Rauch, welcher sich unter dem Tribünendach nicht ganz so leicht verflüchtigte. Zugegeben, der Volksverein ist halt auch ein Chaotenverein.

klarer Pyrosieg

Kaum hatte sich der beissende Qualm verzogen, schossen die Grasshoppers bereits das erste Tor. Eine Minute später gab es Penalty für den FCZ, lässig in die Mitte gelupft, Torwart in der Ecke – 1:1. Mitte der ersten Halbzeit dann das vollauf verdiente 1:2 — die Grasshopper hüpften mannschaftlich einfach besser auf dem Rasen herum. Glück für den gastgebenden FCZ mit nur einem Tor Rückstand in die Pause zu gehen; dass hier der Tabellendritte gegen den Drittletzten spielte war leider allzu offensichtlich.

Der FCZ-Trainer hörte wohl meine Halbzeitanalyse und nahm nach der Pause den schwachen 10er vom Feld und brachte die Nummer 8. Die belebte das Spiel zusehends, der FCZ kämpfte fortan und das Spiel war ausgeglichen — auch dank des Ausgleichs zum 2:2. Mit diesem Resultat hatten sich die Grasshoppers vermutlich angefreundet, aber nicht die Spieler des FCZ, von denen einer in der letzten Minute den glücklichen Siegestreffer mit einem Hinterkopfball erzielte.

Wow! Jubel. Trubel. Heiserkeit. Zumindest in der Südkurve und bei mir: drei Spiele, drei Siege, der FC Zürich sollte mich als Maskottchen aufstellen.

So sehn Sieger aus, scha-lala-lala!

Embryonal

Embryo in der Zürcher Wasserkirche: der Altmeister und Gründer der einstigen Krautrockjazzer unternimmt gerne ausgedehnte Reisen und lässt sich dann von der fremden Musik befruchten. Das geht so seit mittlerweile 40 Jahren und ungefähr 400 verschiedene Mitmusikanten durchliefen den Embryonalstatus — nur einer bleibt: El Cheffe. Der nahm bei seinem Zürcher Auftritt drei junge Musiker und einen chinesischen Klangmeister namens Xizhi Nie mit auf die Bühne und improvisiert auf einem alten Vibraphon was das Zeug hält.

lautmalender chinesischer Klangmeister

Angenehm hippieske Atmosphäre an der Richtstätte der Zürcher Stadtheiligen. Die sind einst am Standort der Wasserkirche geköpft worden, nahmen ihre Köpfe anschliessend einfach unter den Arm und schritten ein wenig den Hügel hoch, damit man dort eine noch grössere Kirche bauen konnte.

Ich behielt lieber meinen Kopf und radelte ohne Licht heimwärts.

Zurigo due, Bellinzona nulla

Die am Ende zu zehnt auf dem Platz verbliebenen Tessiner schossen ein einziges Mal auf das gegenerische Tor ohne es zu treffen, der FC Zürich aber traf zweimal. Nach dem zuletzt erlebten Zittersieg gegen den allerletzten der höchsten Schweizer Fussballliga, gab es diesmal einen reinen Arbeitssieg gegen den Vorletzten. Der Hobbyschweizer weilte diesmal direkt neben der dauerstimmungsmachenden Südkurve im Baustellenstadion, auch weil in der Kurve die Sichtbehinderung der kürzlich eingebauten Hilfsstützen durch den Fächereffekt nicht ganz so gravierend ist. Paradox fast, dass die zahlungskräftige Klientel auf der Haupttribüne mit all den Logen am wenigsten sieht. Das gerade einmal zwei Jahre alte Stadiondach im Letzigrund hielt — dank der vielen minarettartigen Extrasäulen — nicht nur den Regenschauer ab. Der Dachschaden ist natürlich eine Riesenblamage, welche die zur Wiedereröffnung angereisten Gästefans zum Tragen von Bauhelmen animierte.

Sehbeschwerden

Ganz interessant zwei amtierenden Weltmeistern bei ihrer leichten Tätigkeit zuzusehen – jawohl, die Schweiz ist dank der vielen Secondos U17-Weltmeister und der FCZ hat gleich zwei der in Nigeria siegreichen Talente in seinen Reihen. Die Nummer 3 Ricardo Rodriguez hinterliess einen frühreifen Eindruck, Tribünennachbar Adi meinte „Ein klares Versprechen für die Zukunft!“

Angenehm auch die quasi UEFA-Cup mässig anmutende Atmosphäre dank der bilingualen Ansagen der Stadionsprecherin. Im Gästeblock waren immerhin 17 Fans vom AC Bellinzona auszumachen, die restlichen 7.883 hatten aber ihren Spass.

Wo du bisch sind mir!

Schall & Rauch

Die Hamburger/Berliner Kapelle Tocotronic haben bei ihrem Besuch in Zürich die Rote Fabrik massiv beschallt. Weil aber das Rauchverbot in Stadt und Kanton erst im Mai 2010 greift, hat der Hobbyschweizer mit Reibeisenhals nach und akuter Sauerstoffunterversorgung während des Konzertes auf der anfänglich schön bequemen Empore einfach kapituliert. Ein leises Summen im Ohr aber blieb.

Aber hier rauchen – nein danke!

Der musikalische Vortrag war dank des riesigen Liederfundus kurzweilig und das freundliche Quartett ist einfach eine gute Liveband ohne grosse Allüren. Werke aus sämtlichen Schaffensphasen wurde spielfreudig intoniert und das Publikum auf das allerherzlichste akustisch befriedigt. Der Schlagwerker Arne bescherte mit „Bitte gebt mir meinen Verstand zurück“ einen unverhofften Leckerbissen. Erfreulich für den Hobbyschweizer und seine teutonischen Mitmigranten war das flüssig vorgetragene und verständlich zu Gehör gebrachte Hochdeutsch. Aber auch viele Einheimische hörten interessiert zu: ein gewisser Thomas Kramer wurde von der Band trotz aller Rauchschwaden im Publikum ausgemacht und demselbigen als erster Schweizer Hörer der Band mit mittlerweile siebzehnjähriger tocotronischer Hörbildung namentlich vorgestellt.

Ein extra für dieses Konzert aus Berlin angereister Kollege mit mehrmaliger Liveschulung in Sachen Tocotronic hielt den dargereichten Ohrenschmaus für ziemlich gelungen, vermisste aber das Stück „Freiburg“.

Auf der Rückreise blieb sein ICE eben dort mit Triebkopfschaden liegen…

Let there be rock.