Eigentlich ja Schnapsidee mitten in der Ferienzeit in die Titlisregion zu reisen, reiner Touri-Hotspot nach Pilatus und Jungfrau. Doch die guten Trainingsleistungen im Trockendock nahe dem Erholungsgebiet rund um die Teamunterkunft von Frau Gwinn & Co. erlaubten der Formkurve, dem Schönwetter und Blutdruck gemeinsam einen saisonalen Belastungstest einzufordern. Zudem konnte bei der langen Anfahrt beim Auffüllen der Akkus durch Müeslienergie im Zubringer gemütlich unterwegs mittels Karte die Tour manifestiert werden.
Von Engelberg in der Obwalder Sackgasse kann direkt auf gut Dreizwei geliftet werden inklusive Gletscherreste und in-die-Ferne schauen. Doch nach einem really amazing Palaver mit einer jungen New Yorkerin auf Europe-in-eight-days war an der Mittelstadion der vorzeitige Ausstieg geplant.
Have a nice one und und erst mal die örtliche Kapelle ansteuern, Alpsegen nie verkehrt.
Vier-Seen-Wanderung verhiess die alpine Planung, doch nervten die Tandemflüge der Helikopter schon etwas, welche unablässig Baumaterial auf den Gipfel vis-à-vis hievten. Klar, renovieren nur im Sommer während dreier Monaten möglich, doch vom Pfeifen der Murmelis war so anfänglich rein gar nichts zu hören. Gut ging es abseits des ersten Sees gleich den Pfad bergan und zwar ohne Bahn, die seitlich versetzt die verwöhnte Kundschaft (v. a. viele viele Biker!) bediente.
Zusammen mit den Helikoptern donnerte alsbald noch eine ganze Fliegerstaffel durch die Lüfte, Pilatus-Werke und Krieg sind bekanntlich beide nicht weit und etwas später dann bereits am dritten See jagten brüllende Düsenjäger vom Fliegerhorst Meiringen aus dem Nachbartal in Formation durch die Lüfte. Die spinnen die Flieger – vielleicht gibt es über die fehlfinanzierten F-35 sogar eine Wiederholung der Volksabstimmung!
Unterwegs bloss die Aussicht nicht vergessen, jawohl – trotz Lärm prächtig und angesichts der schweisstreibenden Anstrengung immer sehr belohnend fürs Auge & Gemüt. Natürlich dabei weiter aufmerksam auf mögliche Gefahren achten und drum besser wieder volle Konzentration am Berg! Auch weil die Downhill-Biker kaum bremsen und sowieso mächtig Betrieb auf der Piste war. Die Fokushose sass mindestens so stramm wie bei der berühmten Flugkünstlerin Frau Berger. Stets freundlich wurden sowohl die Entgegenkommenden wie die mit Geschwindigkeitsüberschuss Überholenden grosszügig vorbei gelassen, dabei immer schön grüssend und allmählich kam der Körper in der leicht berauschenden Höhenluft ganz gut in Trab. Von Pilatus lernen heisst siegen lernen.
Ab Jochpass endlich etwas ruhiger, die Baustelle Titlis lag quasi im Lärmschatten. See Nummer zwei recht idyllisch. Ach Natur, wie machst du das nur. Der Halbmond harmonierte zusammen mit den Wolken prächtig in der Kulisse und gut gibt es hier nicht so durchgeknallte Baumpiraten wie manch andernorts. Schmuck auch die zentralafrikanischen Medizinmann-Maske, die es wohl dank der Tektonik in der letzten Eiszeit hierher geschafft haben muss. Ein fürwahr verblüffender Fund!
Mitten in der Tour gerieten dann die stolzen Viertausender in den Blick und die stille Einsicht dräute, dass es mit jenen Majestäten in diesem Leben leider nichts mehr werden würde. Ausser ich zöge tapfer durch und bestätige so die späte Serie. Dann wäre mit 70 gar ein Fünfer fällig, völlig utopisch.
Die nächste Kapelle überraschte mit einer pilgernden katholischen Landvolk-Truppe aus Franken, die just ein Taizé-Lied anstimmten als ich den Raum betrat. Text und Melodie waren bekannt und so konnte wohlgemut in das Loblied eingefädelt werden. Ein kurzes und herzliches Gespräch über Gott und die Welt und das Wetter folgte, bevor der Blick auf ein Detail im Fenster etwas irritierte. Gut, braucht ein wenig teutonische Phantasie, doch sind da gewisse Ähnlichkeiten zu erkennen oder ist es eine der Höhenluft geschuldete Fata Morgana? Reines Blasendenken oder gar völlige Reizüberflutung?
Ja, die Sinnesreize werden schon mächtig gekitzelt auf so einem Gang und das ist auch der Grund der Mühen. Die Atem- und Bewegungsübung im freien Gelände lässt die Seele prima durch schnaufen, dem Geist eine freie Hand und das Herz weit werden. Einzig die Zeit bei je dreistündiger An- und Rückreise als Tagesausflug etwas arg knapp bemessen. Genusswandern geht anders. Doch die Marschtabelle eben gnadenlos und das Postauto wartet nicht. Zudem schwanden die Kräfte, zwei Drittel mit 11 km Distanz plus eineinhalb Tausend Höhenmeter in den Beinen mahnten allmählich zur kurzen Rast und Stärkung bevor das letzte Teilstück im Endspurt angegangen werden sollte.
Fast wäre es danach noch zu einem Stierkampf gekommen, doch als bekennender Angsthase weiss ich die riesigen Viecher grosszügig zu umrunden und sämtliche Sensoren in der Nackengegend aktiv zu halten. Bei solchen Hörnern selbstredend (und v. a. beruhigend zu dem mächtigen Tier!) und sowieso.
Am letzten See im Zielgebiet verhalf ein Panoramalift zu einer fünfminütigen Abkürzung, der Steinbock grüsste ein letztes Mal und das Murmeli zeigte zum Abschied freundlich die Zähne. Melchsee-Frutt wie Pilatus sehenswert, doch recht überlaufen, bei allem Verständnis für die paradoxe Praxis des real existierenden Kapitalismus im alpinen Gelände. Bautrieb schlägt urig.
Der Winter darf dort auch mal getestet werden, dann aber sicher ausserhalb jeglicher Ferien- und Flugzeiten. Zuhause dann die doofe Erkenntnis, dass Anfängerfehler wie im Fussball immer wieder passieren – komplett die Rückseite der Waden ignoriert und über Zwei ist UV gnadenlos, ich schwör. Reiner Redcalf halt.















