Nach einem halben Jahr Sammelstressspass nebst unnötiger Geldausgaben und überflüssiger Zeitverschwendung sind alle 178 Bildli eingeklebt. Den Schlusspunkt unter das langwierige Hin- und Hergetausche setzte Nummer 167 (per Post aus Luzern) — jetzt kommt das grosse schwarze Loch…
Auffällig war, dass 80 Prozent der Tauschpartner Mädchen oder Frauen waren. Schwingen ist halt sexy.
Ende November wird über die neue Zürcher Parkplatzverordnung volksabgestimmt, wonach jedem Einwohner ein Veloabstellplatz zusteht. Ungleich mehr Echo wird die Annahme der Auschaffungs-Initiative krimineller Ausländer durch das Wahlvolk auslösen — Völkerecht hin, Abschiebung her.
Die rechts-nationale SVP hat einmal mehr die propagandistische Oberhoheit erreicht. Dank ihres milliardenschweren Führers und mittels der deftigen Gestaltung durch die Werbeagentur eines zugewanderten Deutschen (! genau, der mit den rot-schwarz-weissen Hetzplakaten) bekommt man werbepsychologisch vermittelt, dass Detlev, Faruk, Ivan und Ismir nicht bloss fingerkauende schlecht rasierte und mies gekleidete Ausländer sondern potentielle schwarze Schafe sind.
Nach der allfälligen Verabschiedung werden juristisch auffällig gewordene Eidgenossen auch zukünftig nicht ausgewiesen, gleichwohl sie annähernd doppelt so kriminell sind wie die braven Gastteutonen.
Inszeniertes Hochamt mit Durchschlag. Höhlenmenschen im medialen Taumel. Schnäbelnde Bundesräte mit feuchten Augen. Weihwasser und Dosenbier. Roman Signer jagt 100 gelbe Bauhelme in die Luft. Patrouille Suisse düst trotz Hochnebels lautstark Formation. Tunnelbohrmaschinen sind deutsch und weiblich. Tunnelbauer überwiegend männlich, deutsch, österreichisch, südländisch und ausländisch.
«Der Berg ist gross. Wir sind klein.» (Bundesrat Leuenberger)
Ein Setzer vom Tagblatt Zürich zeigte unlängst (s)eine lustige Seite:
Die SVP hat dann doch zuletzt gelacht – das geplante Nagelhaus wurde in einem Plebiszit von den Zürchern abgelehnt.
In einem von der SVP kampagnenhaft geführten Kulturkampf überzeugte das goldige Plakat — wieder einmal hat die SVP-Agentur anscheinend die richtige Bildsprache gefunden. Nix wird verlocht und goldene Nasen verdient keiner. Vielleicht liegt es an der lehrerhaften Kunstvermittlung, zumal der geplante Hafenkran am Limmatquai schon für Irritationen sorgt. Dass eine lokale Bausünde — ein in den 1970er Jahren gebauter Autobahnzubringer zerschneidet die Stadt — prominent ans Kreuz geschlagen wird, setzt eine selbstkritische Distanz voraus. Diese scheint bei dem über moderne Kunst abstimmenden Volk dann doch etwas zu gross zu sein. Wahrscheinlich ist der gedankliche Weg von China zum Zürcher Escher-Wyss-Platz auch einfach zu weit. Näherliegende Minarette haben sich die Schweizer aber schon verboten.
Eine lässige Weltläufigkeit demonstrieren solche Entscheide nicht gerade. Die kulturelle Bunkermentalität in der Kinderstube des Dadaismus vertrüge wohl eher ein kolossales Schwingerhosendenkmal im Ausflugshafen der selbsternannten Little Big City.
Die UNESCO will angesichts der notorischen Globalisierungstendenz das immaterielle Kulturerbe, quasi die überlieferten Volksbräuche weltweit erfassen. Beabsichtigt wird den Respekt, das Bewusstsein sowie die Wertschätzung für gelebte Traditionen aufrecht zu erhalten und zu pflegen.
Überall in der Schweiz werden jetzt Vorschläge gesammelt, wie etwa der Sennabtrieb, die Basler Fasnacht oder das Zürcher Sechseläuten. Weitere Vorschläge finden sich hier.
Als beim Eidgenössischen ein junger Berner Senn nach sieben Siegen ensuite bereits vor dem letzten Gang uneinholbar in Führung lag, war das Kopfzerbrechen von Jury, Fachleuten und Zuschauern gross, ob — im etwaigen Falle einer Niederlage im traditionellen Schlussgang — er lediglich als Erstgekrönter oder trotzdem zum König ausgerufen werden solle.
Emporkömmling Wenger Kilian liess aber an jenem heissen Wochenende alles kalt und er bodigte schlussendlich auch seinen achten Gegner.
Ein Hüfter komplettiert den totalen Sieg
Für den neuen Schweizer Liebling steht IMG als Vermarkter parat und der Lidl-Stucki jetzt etwas dumm da. Trotz langatmiger Positionierung als urchige Marke hat er sich zu billig an den Falschen verkauft und wird nun auch noch mit rechtem Gedankengut („Schweizer kann jeder werden, Eidgenosse nicht“) in Verbindung gebracht. Marketingtechnisch reiner Sepukku.
Generell werden durch die zunehmende Gigantonomie des Älplerfestes selbst kleinere Nachbeben innerhalb der Schwingerszene medial verstärkt.
Ein typischer Fall des dialektischen Umschlags von Quantität in Qualität.
Als Schmankerl zum Saisonausklang noch ein eindrücklicher Hintergrundbericht einer (professionellen) Besucherin des Eidgenössischen Schwingfestes und ein für Nicht-Helveten aufschlussreicher Artikel in der FAZ.
An der Langstrasse 238a im Kreis 5 hat ein neuer Wurststand eröffnet. Die beiden Betreiber Michael Marchetto und André Sigrist legen den Schwerpunkt auf die deutsche Spezialität Currywurst, die auch zum Namen des Lokals, Körry, inspirierte. Angeboten werden gemäss Mitteilung die gleichen Würste, welche die beiden bekannten Berliner Imbisse Curry 36 und Konopke´s Imbiss verkaufen. Dazu gibt es die Currysauce der Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer. Dies soll die „Herzen der deutschen Kundschaft höher schlagen“ lassen. Weiter im Angebot stehen original Thüringer Rostbratwürste und St. Gallener Olma-Bratwürste der Metzgerei Schmid. Cervelats fehlen auf der Karte, da diese nicht den Qualitätsvorstellungen der Betreiber entsprechen.
In der Schweiz wird in Bälde eine Initiative für Todesstrafe bei Mord mit sexuellem Missbrauch Unterschriften sammeln. haben die Urheber der Initiative dieselbige nur einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesblatt zurückgezogen. Die letzte Hürde auf dem Weg zu einem Volksentscheid besteht in 100.000 Unterschriften innert 18 Monaten. Dies scheint machbar und seit der erfolgreichen Minarett-Initiative in diesem Land nichts mehr ausgeschlossen.
Im Erfolgsfalle könnte man die anstehenden Exekutionen dann durch die clevere Ausnutzung des Konkurrenzdruckes der Söldnerfirmen, welche sich vermehrt in der „freizügigen“ Eidgenossenschaft niederlassen, kostenneutral privatisieren.
Die zwei grössten Hosen treffen gleich im ersten Gang aufeinander. Das ist gewollt und üblich beim Schwingen — dadurch wird der Wettkampf quasi von Anfang an forciert!
Hopp Abderhalden, Forrer (Nöldi!), Fausch (!) und natürlich Pellet! Der Publikumsliebling unter den Schwingerfans wird aufgrund seiner attraktiven und risikofreudigen Kampfweise von den im Allgemeinen eher zurückhaltenden Zuschauern regelmässig mit Sprechchören angefeuert.
Zum Bildli-Tauschen hätt ich von den Spitzenpaarungen her gerade Lauper, Zbinden und Koch; für den Zbinden will ich aber zwei retour, weil mir der auf der Schwägalp (neben Pellet) recht imponiert hat…
Die Spannung steigt und der Gabentempel ist eröffnet. Das (temporär) grösste Stadion der Schweiz bietet fünfzigtausend Gefolgsleuten Platz, um am Sonntag den König zu ehren.
Die Tickets waren innert drei Stunden ausverkauft — Swisspa hatte kein Glück und muss nun leider draussen bleiben…
Die Generalprobe für das Eidgenössische fand auf der Schwägalp direkt unterhalb vom Säntis im Kanton Appenzell statt und dabei schiffte es ausgiebig. Der Festplatz wurde zu einer Matschlandschaft und nur die Schwinger fanden etwas Halt im Sägmehlring. Trotzdem wurde das Volksfest durchgezogen und die Bratwurst schmeckte wieder prima.
Der Siegerstier hiess diesmal Robin und war ein tonnenschwerer Prachtkerl. Wie üblich gab es für den Zweiten eine Milchkuh und für den Drittplatzierten ein Fohlen.
Unterhaltung wurde von wohlklingenden Jodlern aus dem Emmental geboten und die Alder Streichmusik aus dem Toggenburg spielte ebenfalls herzerwärmend auf. Schwingen boomt munter weiter und trotz Wind & Wetter waren 9.000 Regenjackenträger vor Ort um den Kolossen beim Hosenlupf zuzuschauen.
Für den Gesamteindruck noch ein zittriger Schwenk über Berg- und Festgelände: