Stickstoffverbindungen aufm Mars, Grexident, versiegender Golfstrom und Naziversteck im Südamerikanischen Dschungel. Dies alles spielt im der real existierenden Juche-Universum der Demokratischen Volksrepublik Korea keine so prominente Rolle. Dort geht es um weitaus wichtigere Dinge, beispielsweise:
die Verbesserung des Lebensmilieus für Zugvögel in der DVRK
die Bildung von Vorbereitungskomitees zum Tag der Sonne
Mehr über die diffizile Aufzucht und Pflege der Kimjongilie hier
Weitere interessante Meldungen Preziosen werden von der Stimme Koreas weltweit kund getan, wobei Stimme hier wortwörtlich gemeint ist und unbedingt gehört werden muss! Von ihr erhalten fragend navigierende Webtouristen genau jene Antworten, die sie hören sollen. Zwar scheint die Stimme Koreas noch auf Web 0.9 zu basieren, doch trotz zäher Ladezeiten lohnt der Ausflug allemal.
him hanfang war das wort
hund das wort war bei gott
hund gott war das wort
hund das wort hist fleisch geworden
hund hat hunter huns gewohnt
him hanflang war das wort
hund das wort war blei flott
hund flott war das wort
hund das wort hist fleisch gewlorden
hund hat hunter huns gewlohnt
schim schanflang war das wort
schund das wort war blei flott
schund flott war das wort
schund das wort schist fleisch gewlorden
schund schat schunter schuns gewlohnt
schim schanschlang schar das wort
schlund schasch wort schar schlei schlott
schund flott war das wort
schund schasch fort schist schleisch schleschlorden
schund schat schlunter schluns scheschlohnt
Mit dem drastisch klingenden biblischen Begriff Armagedon (eigentlich Harmagedon) wird im Schach die Entscheidungspartie genannt, die allenfalls zur Ermittlung des Siegers eines Matches oder Turnieres bei Gleichstand gespielt wird. Dabei erhält der Weissspieler einen kleinen Zeitbonus, dem Schwarzspieler hingegen genügt bereits ein Remis zum Gewinn der Konfrontation. Bei der Zürcher Chess Challenge kam es nun zu einer „Entscheidungsschlacht“ zwischen dem von Red Bull gesponserten US-Spieler Nakamura und dem indischen Ex-Weltmeister Anand.
Wer zahlt befiehlt: Der Sponsor erklärt vor dem Finale dem
zurück ans Brett zitierten Anand noch schnell die Regeln
Beide lagen nach jeweils fünf Runden des halb in klassischer Bedenkzeit halb im Schnellschach gespielten Einladungsturnieres punktgleich an der Spitze. Nakamura pflegt zu jeder Partie eine Dose des Taurinsirups mitzubringen und trinkt diese Melange auch tatsächlich am Brett. Beim Zürcher Turnier half ihm der Zaubertrank möglicherweise, jedenfalls hatte Anand keine Chance bzw. Nerven in der das Turnier entscheidenden Blitzpartie. Offensichtlich ging der Ex-Champ davon aus überhaupt keinen Tie-Break spielen zu müssen, und wirkte daher sichtlich doppelt überrascht. Obwohl für die Zuschauer jenes allzu schnell verpuffende finale Handgemenge ein tatsächlicher Antiklimax bedeutete, war es für den Sieger möglicherweise ein wenig Genugtuung für die drastische Niederlage gegen den Meister aller Klassen bei der letztjährigen Austragung.
Sozialneid im real existierenden Kapitalismus ist ähnlich konstruktiv wie Tanzen über Architektur.
Aber dennoch interessant: gemäss dem wunderbar leicht zu bedienenden BBC-Kalkulator müsste ich als Lohnsklave bei identischem Einkommen bereits seit 800 Jahren arbeiten, um in Summe das Jahressalär von Senhor Cristiano R. zu erzielen.
Umgekehrt braucht die fussballernde Hosenbeule für meinen Jahresverdienst nicht einmal eine volle Viertelstunde Training einzuplanen.
Auf der BBC-Seite lassen sich solche Absurditäten anhand weiterer kurzbehoster Besserverdiener drastisch schön darstellen.
Ohne das schmerzliche Thema Brot & Spiele am dieser Stelle tiefschürfender zu behandeln, lieber noch einen fotografischen Hinweis auf antike Sportbekleidung, als man mit den kurzen dicken Hosen sowieso noch dem klassischen Calcio frönte.
Als die Pluto-Sonde New Horizons 2006 auf ihre weite Reise geschossen wurde, war das Aufklärungsziel noch ein putzmunterer Planet. Heute tituliert die unterkühlte Randfigur unseres Sonnensystems bloss mehr als Zwergplanet, und selbst in jener Kategorie ist die Poleposition mittlerweile strittig.
Im Juli 2015 soll der von einem Plutonium-Reaktor betriebene Kundschafter die ausserirdische Zwergenwelt quasi hautnah touchieren; übrigens eine witzige Idee Pluto mit seinem nuklearen Namenspatenkind zu überraschen! Auch etwas Asche des verstorbenen Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh und die mit einer halben Million Namen beschriebenen CD abenteuerlustiger Couch-Potatoes Erdlinge sind mit an Bord. Reichlich okkult angehauchte Expedition, doch als hobbytechnischer Sternengucker trampt man bei einer richtigen NASA-Mission gratis schon mal huckepack mit.
Endmontage der CD an der Raumsonde
Nach der erstmaligen Aufwartung bei Zwerg Pluto soll die Reise anschliessend weiter in den Kuipergürtel hinein führen, wo weitere Urtrümmer gefunden und untersucht werden könnten.
Im Vergleich zur längst aus dem interstellaren Raum funkenden Voyager 1 beträgt die Distanz von New Horizons zum irdischen Habitat selbst dann aber bestenfalls ein Viertel des Pensums der Sonde aller Sonden. Früher war halt mehr Raumfahrt.
Da das Pedalieren bergan gewöhnlich relativ gemütlich vor sich geht, sucht der kurzatmige Blick des in welliger Landschaft dahin ziehenden Radlers gerne Ankerpunkten in der noch fernen Zukunft, oder aber — beifallheischend zwar, doch entschieden realitätsnäher — unmittelbar abseits der gewählten Route.
Guerilla Art, Public Posing oder einfach eitle Selbstvermarktung, egal, das an der Betonrampe beim Seniorenzentrum Gehrenholz in ZH-Wiedikon ambulant angebrachte Foto einer Scheinheiligen hat durch die handgedrechselte und etwas verschwurbelt wirkende Bild-Text-Verknüpfung neugierig gemacht.
Die Informationsverarbeitung des leicht ausgewaschen vorgefundenen Sujets gestaltete sich aufgrund des akuten Sauerstoffmangels zeitlupenhaft zäh, wurde vom Protagonisten jedoch dankbar innehaltend als willkommene Verschnaufpause verbucht.
Schliesslich ist immer noch der Weg das Ziel — n´est-ce pas?
Reine Kopfsache ist die inzwischen schwer angesagten Disziplin, in der bis zu elf Runden lang abwechselnd geboxt und Schnellschach gespielt wird. Die Rundendauer beträgt jeweils drei Minuten und die Entscheidung erfolgt dabei entweder durch K.o., Matt, Aufgabe, Zeitüberschreitung oder Ringrichterentscheid.
Der Spandauer Feuerwehrmann Sven Rooch hat nun seinen Weltmeistertitel im Mittelgewicht gegen den Spanier Jonathan R. Vega erfolgreich verteidigt. In der Berliner Columbiahalle bezwang der Lokalmatador seinen Herausforderer nach hartem Kampf durch Schachmatt in der fünften Runde.
Fotos machen ist während des Rituals der Mevlevi-Derwische nicht erlaubt; obige Bilder sind daher direkt von Mevlana.ch entliehen. Man erkennt aber gut das abgezirkelte Achteck auf dem Parkett. Ausserdem arbeiten die supertollen raufundrunterfahrbaren ehernen Kerzenleuchter unter Volllast. Im Dezember wird Mevlanas nächster Hochzeitstag gefeiert, dann wieder mit Weihnachtsbaum, Krippe und leibhaftigen Sufi-Musikern im Chor unterhalb der Orgel.
Heimweh
Das Wort taucht Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal auf. Es ist Schweizer Dialekt: Weh steht für Schmerz, aber auch für Sehnsucht. Heim bezeichnet Haus und Heimat. «Heimnoti» heisst es im Althochdeutschen, ein Wort das Theologen geprägt haben. Bis zum Frühmittelalter hat man damit das Himmelreich gemeint, das Jenseits. Erst danach ist aus dem himmlischen Heimnoti die irdische Heimat geworden. Heimweh – das ist die Sehnsucht, in der Fremde wieder daheim zu sein.
Es ist der Medizinstudent Johannes Hofer, der Heimweh erstmals als Krankheit definiert. 1688 schreibt er an der Universität Basel über Heimweh seine Dissertation. Für die medizinische Fachliteratur prägt er den Begriff Nostalgia, aus dem Griechischen Nostos für Rückkehr und Algos für Schmerz. Das Schweizerdeutsche Heimweh wird erst in der Romantik zu einem deutschen Wort.
Unter der neuartigen Krankheit leiden auffallend häufig Schweizer, die als Söldner fern der Heimat im Dienst stehen. Der Arzt Johannes Hofer vermutet, dass das ständige Denken ans Vaterland die Lebensenergie erschöpft, welche durch Nervenröhren zwischen Körper und Gehirn fliesst. Bald schon nennt man Heimweh die Schweizer Krankheit.
Bei den Schweizer Soldaten, die in Frankreich stationiert sind, beobachtet man, dass der Kuhreihen, ein bekanntes Hirtenlied, eine fatale Wirkung ausübt. Sobald das Lied erklingt, werden die Söldner vom Heimweh regelrecht übermannt und zur Desertation getrieben. Deswegen ist es in den französischen Heeren im 18. Jahrhundert bei Todesstrafe verboten, den Kuhreihen zu singen oder zu pfeifen, denn die Heimat – sie ruft.
Die Schweizer Krankheit äussert sich durch Symptome wie Schlaflosigkeit, Entkräftung, Fieber, Abzehrung und Schwermütigkeit. Wenn sie nicht rechtzeitig kuriert wird, führt sie zum Tod. 1569 dokumentiert der Schweizer General Ludwig Pfyffer in seinem Bericht über die Schlacht bei Jarnac den Tod eines Soldaten: «Es ist Hauptmann Tamans, Vorfähnrich, der Sunneberg gestorben von Heimweh.» Dass er auch verwundet gewesen ist, erwähnt Ludwig Pfyffer mit keinem Wort. Ab jetzt ist klar: an Heimweh kann man sterben.
Die Heimat lockt — das Verlangen, in die Heimat zurückzukehren kann stärker sein, als der Wille zu leben. Heimweh zerrüttet Geist und Körper. Im 18. Jahrhundert obduzieren Wissenschaftler die Heimweh-Toten. Als sie die Leichen öffnen, sehen sie Schreckliches: «Die Gehirne sind übermässig angeschwollen, vereitert und entzündet, voll schwarzen Blutes, die Lungen und Herz mit geronnenen Blut erfüllt, der Magen zusammengeschrumpft und manchmal findet man sogar das Herz gänzlich zerrissen.»
Die Heimweh-Plage unter den Schweizer Söldnern nimmt immer grössere Ausmasse an. Die Wissenschaftler der damaligen Zeit rätseln über die Gründe. Warum befällt Heimweh auffallend oft Schweizer? Es liegt an der Bergluft, konstatiert 1705 der Gelehrte Johann Jakob Scheuchzer: «Die eigentliche Ursache des Heimwehs ist die Änderung des Luftdrucks. Die Schweizer beispielsweise leben in den Bergen, in feiner leichter Luft. Ihre Speisen und Getränke bringen auch in den Körper diese feine Luft hinein. Kommen sie nun in das Flachland, so werden die feinen Hautfäserchen zusammengedrückt, das Blut wird gegen Herz und Hirn getrieben, sein Umlauf verlangsamt, und, wenn die Widerstandskraft des Menschen den Schaden nicht überwindet, Angst und Heimweh hervorgerufen. Besonders junge Leute mit feiner Haut und solche, die mit Milch genährt sind, erkranken.»
Heimweh schmerzt, macht krank, nicht nur in der Schweiz. Homesickness, la maladie du pays, Heim-weh. Heimweh kann man lindern, nicht aber heilen. Der Botaniker und Homöopath Clemens von Bönninghausen schlägt in seiner Physiognomik der homöopathischen Arzneimittel Capsicum Annuum vor, den Spanischen Pfeffer. Er soll bei Heimweh helfen, das mit Backenrötung und nächtlicher Schlaflosigkeit einhergeht. Und dennoch: gegen Heimweh ist kein Kraut gewachsen. Gegen Heimweh bewährt sich nur ein Mittel: Heim-gehen.
Heimat, das ist aber nicht nur die geliebte Landschaft, das sind auch die Menschen, die dort leben. Das Heimweh nach den Bergen und Bäumen verwebt sich mit der Sehnsucht nach Familie.
Mit dem gesellschaftlichen Fortschritt wandelt sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Heimweh-Empfinden. Das Fernsein von der Heimat verliert an Schrecken, dank der besseren Kommunikations- und Reisemöglichkeiten. Die ehemals tödliche Schweizer Krankheit ist Mitte des 20. Jahrhunderts endgültig zu einem Gefühl geworden. Ein Gefühl allerdings, das krank machen kann.
Was hat uns die Weltregie nicht alles gezeigt: zuhauf schluchzende Männer, unfaire Torhüter und noch unsportlichere Reservisten, hautenge Puma-Trikots, gedemütigte Gastgeber und viele heftig herausgeputzte Fans. Nie habe ich mich so über ein Griechisches Tor gefreut, als über den in allerletzter Minute verwandelten Elfmeter. Nie war ich mehr Fan von Winzer Pirlo, als gegen Engelland in Amazonien. Nie fühlte ich mehr mit meinem Gastland, als nach dessen unglücklichen Ausscheiden. Nie war ich fassungsloser, als nach dem fünften Tor im absurd einseitigen Halbfinale. Und nie war eine WM geschönter, als dieser glasierte Realitätsersatz vom Zuckerhut. Und selten war ein Logo prophetischer…
Sonnenwendfeiern sind wieder mega-in, rituelles katalysiert spirituelles. Ehedem als „Heidnisch“ verschrienes Kulturgut gilt zusehends als rehabilitiert und wird heutzutage in manchen Kirchen akzeptiert und sogar zelebriert. Metaphysischer Eklektizismus par excellence, Om meets Kyrie eleison beim Ringelpietz mit Anfassen.
Am 21. Juni wird es um 12.51 MESZ dann auch astronomisch Sommer, diesmal ganz im Zeichen des Brazuca.
Von Nutellafluch sprach man, seit die in den Werbespots mitwirkenden Fussballspieler nach Ausstrahlung der Clips auffallend häufig entweder durch Verletzung oder einen signifikanten Leistungseinbruch ihre Karrieren in der bundesdeutschen Nationalelf vorzeitig beenden mussten.
Nun aber produziert der Hasselnusscremefabrikant schon seit 2011 keine Werbevideos mehr mit kickenden Nutella-Boys. Trotzdem ist es dem Hobbyschweizer nach der nutellatypischen Verletzung von Marco Reus tatsächlich gelungen, eine an den Haaren herbeigezogene Neuköllner Brotaufstrich-Verschwörung aufzudecken.
Am nämlichen Abend an jenem Madrid in Lissabon gegen sich selbst Fussball spielte, veranstalteten die Zürcher Tischfussballer ihren Abschlussball im GZ Heuried. Nicht wenige Teilnehmer trugen sichtlich stolz das Trikot ihres (Tischfussball-) Vereins. Die ungezwungene Atmosphäre wurde akustisch mit Musikkonserven von Lemmy Kilmister & Co. untermalt und zusätzlich von Grillschwaden sowie diversen anderen Inhalaten olfaktorisch akzentuiert.
Doch die Lässigkeit schien nur vorgetäuscht — auch hier musste das Runde möglichst passend ins Eckige. Auch hier lauerte das Drama von Auf- oder Abstieg. Auch hier ging es um Sieg oder Niederlage, letztlich also um Pokale und Medaillen.
Bald werden an dieser Stelle noch mehr aufschlussreiche Details über das Schweizer Kastenwesen enthüllt; dann aber geht es schlicht um den Inhalt des berühmt-berüchtigten Chuchichäschtlis.
Heute nach der Taste ganz oben links benamst und Fluchtreflex auslösend — naturalmente. Heute Wurst — früher Assia, Gall, Shaw, Lavi, Ebstein, Lardi. Früher orchestrale Begleitung — live! — heute Windmaschinen und Geräteturnen nebst Pyro und SFX. Früher landessprachliche Autonomie, heute globalisierter Mainstream. Ohne die entlarvenden Kommentare vom subtil moderierenden Urban „Fucking hell, oh shit, die wollen uns umbringen“ Peter wäre der geföhnte Hype selbst als Modenschau schier unerträglich.