Nach 31 Tagen qualvoller heimischer Netz-Abstinenz wurde gerade noch rechtzeitig zum ESC 2012 ein mutwillig gekapptes Telefonkabel entdeckt und fachkundig ersetzt.
Der vermutlich ähnlich erlittener Höllenqualen entsprungene Albanische Beitrag tönt mir voll aus der Seele und bekommt mein reaktiviertes Televoting. Vielleicht ruf ich auch zweimal an und gebe aus schierer Opposition den bereits ausgeschiedenen euroneurotischen Protestsängern aus Mazedonien Montenegro eine Stimme — „I enjoy bicyclism!“
1. Geschoss, dessen Sprengladung infolge eines Versagens des Zünders nicht detonierte 2. (salopp) Versager
Synonyme: Bombe, Flasche, Krücke, Versager
Ein besonderer Blindgänger ist der Ex-Schweizer, dann Dänische und jetzt Luxemburgische Telekommunikator Sunrise, dessen nervtötender Warte-Jingle (intonierte Nächstenliebe eines christlichen US-Musikers) allmählich eine Angstneurose mit schröcklichen Gewaltphantasien auslöst. Seit dem Wohnungswechsel tutet weder Festnetz noch tuts das Web, nur ein labiler Surfstick (der innert fünf Minuten dreimal aussteigt) hält die Verbindung zur digitalen Parallelwelt halbwegs aufrecht.
Immerhin ist es nach drei Wochen Warteschleiferei gelungen zum Level 2 Support vorzustossen, von dem das leibhaftige Erscheinen eines Technikers verkündet wurde. Vor drei Tagen. Für morgen oder „Leider kann ich mich da nicht ganz festlegen“ übermorgen. Im Level 2 Experten Team sind scheinbar die verbliebenen Checker in der outgesourcten Servicewüste Sunrise. Zumindest fühlt man sich dort annähernd ernst genommen und wird nicht einfach von einem Callcenter in Berlin (!) zur nächsten dubiosen Inkompetenz weiter vermittelt. Das Experten-Team muss nun eine Fremdfirma beauftragen und das kostet halt Profit. Darum sind mehrere Entscheidungsinstanzen dazwischen geschaltet und der arme Kunde lebt halt solange enthaltsam — „all you need is a sunrise“…
Nach „Kein Problem. Nach Ihrem Umzug funktioniert alles wie gewohnt.“ über „Wird leider erst in acht Tagen aufgeschalten“ zu „In zwei Tagen. Vielleicht.“ fühlt man sich regelrecht genasführt und langsam ziemlich weich gekocht. Wahrscheinlich hat das Methode, weil man — sollte es dem Laden irgendwann tatsächlich gelingen das Netzkabel richtig herum einzustecken — dann für ewig mega dankbar ist, ob der wundersamen Dienstleistung in solch schwierigen Zeiten von Profitmaximierung und Shareholdervalue.
Übrigens sehr geschickt von der FirmaHeuschrecke, sich selbst bei Ortswechsel eine einjährige Kündigungsfrist vorzubehalten.
You get what you pay for hör ich es in meinen Ohren klingeln. Jaja. The loser´s standing small tönt es weiter und ist dennoch besser als das zynisch klingende arg geschönte Marketinggedöns.
Am Rand der kleinen grossen Stadt ist die Welt noch in Ordnung ländlicher als auch schon. Mit dem Fangglas musste schon mancher Monsternachtfalter aus der Mädchenabteilung unblutig entsorgt werden. Des weiteren wurde eine Blindschleiche aus dem Weg geräumt und friedfertige Kaulquappen aus Kinderhänden befreit. Zwei Katzen aus der Nachbarschaft erhielten die Rote Karte nebst vorläufiger Spielsperre. Ausser den Viechern kommt auch das meiste Wetter gerne überfallartig. Zuvor sah man aus der Beobachtungsstation was auf einen zukommt, jetzt pirschen sich die Wolken über den achthunderteinundsiebzig Meter hohen Hausberg flugs an die Siedlung heran.
Die Luft atmet sich angenehm würzig mit einer erdigen feucht-frischen Note — kein Vergleich zu der abgestandenen Feinstaubkonzentration in der Innenstadt. Weder im Wilden Süden noch in der grossen Mauerstadt hat der Hobbyschweizer je so sauerstoffhaltig gehaust. Mutmasslich aber handelt es sich hierbei um einen kleinen vorsätzlichen Selbstbetrug, weil die Sauerstoffaufnahmefähigkeit aufgrund fortgeschrittener Zellalterung qualitativ eher abgenommen haben muss. Dafür gibt es beim bergan strampeln mit dem Velo den Lungenfunktionstest gratis obendrein; wie beim Konditionstest sind die Ergebnisse leider doch ziemlich realistisch.
Im Vergleich mit der anonymen Wohnmaschine gestaltet sich in der Vorstadt die Öffentlichkeitsarbeit völlig anders. Quasi Grüezipflicht auf jedem Schritt. Die Randlage erlaubt jedoch auch randständiges Handeln: so kam ein jenischer Scherenschleifer vorbei, freundlich und entspannt, trotz meiner Absage. Ein leibhaftiger Scherenschleifer hat mich seit der frühen Kindheit nicht mehr kontaktiert! Ein wenig später läutete ein stummer Roma an der Haustüre, welcher sein schriftliches Bettelgesuch in einer Art laminierter Visitenkarte überreichte. Der dritte im munter selbstkonstruierten Bunde war ein schwer radebrechender Paketbote, welcher an der zugegeben komplizierten Zustellung scheiterte, das Paket kurzerhand wieder mit sich nahm und dafür mich sprachlos zurückliess.
Kommen morgen die Mormonen? Überzeugen bald die Zeugen oder rückt gleich die Heilsarmee an? Wann drücken die Drückerkolonnen die Klingel?
Where’s a policeman when you need one to blame the colour TV?
Kein Abschied ohne Schmerz, Schlüsselerlebnis Schlüsselübergabe.
Anstelle der Aussicht aus der 800-köpfigen Wohnmaschine über die kleine grosse Stadt mit dem himmelweiten Horizont geht nun der Blick auf die sozialdemokratischen Kleingartenparzellen in einer familienfreundlichen Rasenmähersiedlung inklusive des gar 900-köpfigen Monstrums namens Plenum, welches mit eidgenössisch disziplinierter Chropfleerete (Kropf leeren tut gut bei dicken Hals!) über die bauliche Zukunft einer alternden Genossenschaft mit Hilfe von gestellten Fresspäckli gegen den allmählich fallenden Blutzuckerspiegel am immer später werdenden Abend dennoch eine Beschlussfassung nahe handelsüblicher SED-Quoten erreicht.
Im Zweifel für den Zweifel und immer Volldampf voraus!
Street View muss von der gegenüber liegenden Gleisseite die familiäre Zwergensiedlung abbilden, da hüben lediglich ein Fussweg entlang führt. Darum kann in Googles grösstem Forschungsstandort ausserhalb der USA selbst das geländegängige G-Bike nicht das aktuelle Grillgut abspeichern.
Keine 600 Züge mehr in 24 Stunden im vierspurigen Gleisbett vor der Hochhausanlage, nur die vergleichsweise eher gemütliche Uetlibergbahn tangiert mit bis zu 79 Promille Steigung künftig das Familienbiotop. Die Bergundtalbahn aber fährt ja mittels gesundheitsförderndem Gleichstrom.
Das patriarchalische Zünfterwesen der Stadt Zürich befördert geradezu das Wappenwesen. Jeder Stadtbezirk und jedes Quartier pocht auf ein eigenes Wappen und am Zürcher Sechseläuten, dem Frühlingsfest in der Deutschschweiz, werden sie allesamt während eines kostümierten Umzuges durch die Strassen der Stadt stolz präsentiert. Als begeisterter Umzugsfan zieht der Hobbyschweizer auch privat des öfteren um, mit der hehren Absicht, sich in Sachen Wappenkunde gründlich weiterzubilden.
Vom dreckigen Arbeiter- und Zuwandererbezirk Aussersihl, genauer dem Hard-Quartier mit stadtweit spitzenmässigen 42 Prozent Ausländern hinein ins beschauliche Wiedikon, wo im grünen Wohnquartier Friesenberg anteilig die meisten Inländer ganz Zürichs wohnhaft sind. Und dies offenbar mit guter Tradition:
1787 trennte der Rat von Zürich die Gegend westlich der Sihl/Limmat auf Wunsch der Bewohner vom Kreuel und Hard von Wiedikon. Grund war die Weigerung der Gemeinde Wiedikon, neue Bürger, die sich im Kreuel und Hard ansiedelten, aufzunehmen. Nur wer Bürger war, besass alle Rechte. Die nun selbständig gewordene Gemeinde nannte sich Aussersihl. (-> Quartierverein Aussersihl-Hard)
VorherNachher
Von der Heraldik her betrachtet fällt der Ortswechsel mehr als dürftig aus. Drei Sterne in schwarzer Nacht über Grün sind wie das Quartier schön schlicht; beim Bezirkswappen aber kann doch gegen einen ordentlichen Anker kein Reichsapfel anstinken, selbst wenn der ausgesprochen farbenfroh daherkommt.