Liedgüter

Das Schweizer Volksliedgut muss vor der Vergessenheit bewahrt werden. Jedenfalls treibt jene Sorge die erst jüngst lancierte Initiative an, welche nun frisch einspielte Schweizer Volkslieder in allen Landessprachen publiziert und präsentiert. Anscheinend soll durch diese Aktion versucht werden, die mit den Jahren diverser gewordene Eidgenossenschaft abseits von Spotify zu re-helvetisieren und der gesanglichen Volks-Amnesie vorzubeugen.

Zum Liedbuch erscheint zugleich eine Compact Disk, wobei für die meisten jüngeren Menschen das hierfür erforderliche Abspielgerät vermutlich keineswegs evident ist. Also werden wohl eher die Alten jene alte Weisen repetieren, was jedoch die Aussicht auf sangeskundige Grüzinis in der Bergwelt kaum trüben kann, da dank Echo der naturverbundene Overdub sowieso allzeit parat steht. Oder sollte zum ultimativen Hörerlebnis vielleicht besser noch ein rustikaler SVP-Buurezmorge hinzu gebucht werden?

Allerdings tönen die neu aufgenommenen Versionen etwas arg aseptisch und viel zu sehr gewollt, als dass Freude beim Rosenpflücken tatsächlich aufkommen könnte. Die Werbe-Plakate allerdings voller Dada, Respekt.

Manager-Sozialismus

Nach dem Grounding von 2001 crasht nun eine weitere CH-Institution grandios. Ein klassischer Bank Run wurde zum Todesstoss für die alteingesessene Institution am Paradeplatz. Scheitern aber gilt nicht und wird im Kapitalismussprech gern noch als Erfolg kaschiert. So finden sich in einer ganzseitigen Anzeige bei NZZ und Blick die Bonmots «Fusionsvertrag», «Zusammenschluss», «Übergang» was jedoch eher Übernahme, Ausverkauf und vielversprechendes gleichwohl riskantes Schnäppchen mit staatlicher Garantie lauten sollte.

Die unverfrorene Schönfärberei tönt frivol, zumal die Kader der Credit Suisse unzählige Bankenskandale fabrizierten und dabei ihr Missmanagement dank der Bonuszahlungen von 42 Milliarden Franken alleine in den letzten 20 Jahren lauwarm ausbadeten.

Die nun neu entstehende Megabank mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Franken wird gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2022 in Höhe von 771 Milliarden Franken fast doppelt so gross wie die gesamte Volkswirtschaft der Schweiz.

Failed too big.

Delikat Essen CXXIII

Matterhorn der Herzen

Zuwenig Swissness in der Toblerone führt dazu, dass das die auf der Schoggi-Verpackung abgebildete Bergspitze vom Matterhorn bald nicht mehr verwendet werden darf, da eine Teil der Produktion von den US-Eigentümern ins Ausland verlegt wurde. Der Subtext bzw. -code im Logo der Bärner Firma war für den Hobbyschweizer allerdings neu. Connect the dots! Der Kapitalismus ist doch ein raffiniert getarntes Raubtier…

Bella & Bello

Laut Statistik der Tierverkehrsdatenbank Identitas hören 4422 Kühe auf den Namen Bella

Identitas weiss alles und kennt alle. Lena, Lisa, Mia, Sina. Flöckli, Luna, Nina, Nora, Vanille. Simba, Filou, Jimy, Charly, Merlin. Noisette, Nera, Nazza, Bianca. Rocky, Lucky, Max, Jack, Simba, Leo, Balu. Stella, Fiona, Cindy, Lina. Leo, Bruno, Fritz und Carlo.

Fotorat

Für uns soll′s leere Blätter regnen,
Uns sollten sämtliche Wunder begegnen
Die Welt sollte sich umgestalten
Und ihre Sorgen für sich behalten

Und später, sagten wir noch
Wir möchten verstehen, viel sehen, erfahren, bewahren
Und später, sagten wir noch: Wir möchten
Nicht allein sein und doch frei sein
Für uns soll′s weisse Blätter regnen.

Landständiger Randsport

Bei den eidgenössischen Meisterschaften im Erdöpfel-Weitwurf siegte ein Schwyzer mit der Weite von immerhin 3,72 Metern. Sämtliche Konkurrenten im Stossen mit der Riesen-Kartoffel lagen stattliche 11 Zentimeter und mehr dahinter. Der Schweizer Rekord von 4,11 Meter blieb indessen unangetastet und klar ausser Reichweite der antretenden Titanen.

In der Gunst der Connaisseure noch etwas höher angesiedelt ist der Paartanz-Wettbewerb. Hier triumphierte ebenfalls die Innerschweizer Delegation, diesmal jedoch die Dependance aus dem Entlebuch. Schlussendlich machten die vor einem begeisterten Publikum gezeigten technischen Finessen, fein gepaart mit vollendet einstudierten höchsten Schwierigkeiten, den knappen jedoch verdienten Unterschied im Sägmehl.

Die wie meist ziemlich starke Konkurrenz zeigte beim diesjährigen Turnier nichtsdestotrotz durchgängig eine beeindruckend fantastische Körperbeherrschung und durfte – dank ihrer einfallsreichen und in nahezu synchroner Perfektion präsentierten Ausdruckstänze – noch bis zum Final auf einen eventuellen Gleichstand in der Endabrechnung hoffen.

Zahlenglück

Nach 13 Jahren endlich wieder Zuhause.

Während der Happyschweizer noch als Hobbyschweizer den güldnen Meisterpokal anlässlich einer Publikumspräsentation vom damaligen Sponsor vor Jahren bereits fotogen halten durfte (nebst eigentlich nicht gestatteten Versuch im Stossen – 13 kg gleich im ersten Versuch!), bekommen ihn die Stadtzürcher Fussballer aus dem Kreis 4 erst heuer überreicht. Sowieso 13: zu den Kilos gesellt sich der 13. Titel genau dreizehn Jahre nach der letzten Feier.

Späte Tore zum Ausgleich oder gar Sieg im Duselmegapack, aber auch taktisches Geschick gepaart mit mannschaftlicher Geschlossenheit sowie die etwas schwächelnde Ligakonkurrenz liessen die nominelle Nummer drei im Schweizer Vereinsfussball relativ schmerzfrei durch die Saison spuren. Wie nach dem Titel 2009 werden auf dem Helvetiaplatz die Helden vom FCZ nach der siegreichen Rückkehr aus dem fussballerischen Feindgebiet den Huldigungen ihres Anhangs sicher ausgiebig frönen, falls die zum 1. Mai dort aufgebotenen Sicherheitskräfte dies zulassen. Am Volkshaus, wo traditionell die 1. Mai Demo startet wurde jedenfalls noch vor Spielende flugs von Rot auf Blau-Weiss umgeflaggt.

Nachtrag: Ausgiebig wurde bis 3 Uhr nachts munter geböllert – die spinnen die Zürcher!

Wurstig

Fast 500 Jahre nach dem legendären Zürcher Wurstessen wird die Ursache plump mit der Wirkung verwurstet. Im Ziggiparadies Schweiz halten die multinationalen Tabakkonzerne allesamt einflussreich und steuerbegünstig gerne Einsitz, weil aber Tabakwerbung nun aus dem öffentlichen Raum verschwinden soll, dreht die Werbebranche etwas arg am Spiess.