Heiligs Blechle: Prophezeiung der -edition
Kategorie: Reisen
Deutschlandtrend
In der Deuschschweiz wird zur Zeit tüchtig für Deutschland als Ferien/Urlaubs-Destination geworben. Zwar war und ist Berlin immer Thema reisefreudiger Zürcher, doch schon vor den letzten Sommerferien erstaunte mich das jüngst offensichtlich stark gestiegene Interesse an Wattwanderungen und Chiemgau. Ist das Währungsgefälle etwa noch stärker als die Gezeiten? Selbst von Schweizer Bekannten wurden meine Qualitäten als Reiseführer in Sachen Deutschland angefragt, obwohl ich das Land mittlerweile nur noch leicht verschwommen aus der Ferne wahrnehme.
Spannend, natürlich und überraschend — könnte glatt die Löwsche´ Philosophie beschreiben oder als Slogan ein beliebiges Wahlplakat zieren. Für die anstehende ganz grosse Koalition gölte dies erfahrungsgemäss jedoch nur sehr bedingt.
Maien
Maien in Prevorst (und im Brauch(!)wiki)
Gipfeltreffen
Astropunk
“Tranquility Base here. The Eagle has landed!”
Lied des Astronauten
Der Mond ist eingefangen,
von Sonden schon begangen,
von Fotos wohlvertraut.
Das All steht schwarz und schweiget,
doch aus Raketen steiget
Schon hie und da ein Astronaut.Noch ist der Kosmos stille
und in der Kapsel Hülle
so traulich und so hold
als wie ein leeres Zimmer,
das nur der Sterne Schimmer
erreichen und erhellen sollt.Wenn wir darein nun treten,
was nützet unser Beten,
daß es so traulich blieb?
Da wir doch weiterfahren,
herrscht hier in ein paar Jahren
bestimmt der schlimmste Hochbetrieb.Wir tollen Menschenkinder
sind mächtige Erfinder
und machen nirgends halt.
Wir holen uns die Sterne,
selbst Venus, die noch ferne,
und wenn es sein muß, mit Gewalt.Wie bist du, Welt, von weitem
so still. Von deinem Streiten
spürt man hier keinen Hauch.
Herr, schütze meine Reisen
und laß mich ruhig kreisen –
und meinen toten Nachbarn auch.
Dieter Höss: Schwarz Braun Rotes Liederbuch. Bergisch Gladbach 1967
Paarungszeit

50 Jahre Jawort: Darauf einen ordentlichen Csárdás — Egészségedre!
Delikat Essen XLII
Abgeschmiert
Der brave Jogi wurde einmal mehr ausgecoacht und lag schlichtweg falsch, weil er den tapferen treuen Schäferhund ohne Biss gegen den sechsbeinigen südländischen Feuerhund antreten liess:
In seiner teutonischen Sommerfrische ist dem Hobbyschweizer nun um einiges wohler, da er nicht mehr von dem dumpfen Sieg-Heil-Gegröle tetosterongesteuerterer Blödmänner belästigt wird. 2006 noch irritierte die schwarzrotgeile Scheinheiligkeit, mittlerweile ist die entschieden zu dick aufgetragene Deutschtümelei bestenfalls unfreiwillig komisch.
Und sowieso: dem betriebswirtschaftlich optimierten Erlebnisfussball Bierhoffscher Prägung fehlt halt einfach der Punch.
Forza!
Wiedergänger
Unterländer Sandwich zur Fastenzeit:
Gartenzwergsiedlung
Delikat Essen XL
Rätselei
Luftnummer
Die Schweizer Kunstolympiade Art en plein air in Môtiers/NE besteht aus einem reizvollen Spaziergang durch das jurassische Dorf hinein in den angrenzenden märchenhaften Wald, entlang einem tosenden Wasserfall hinauf zu einer zauberhaften Lichtung und anschliessend wieder herunter zum Dorfplatz. Auf dem Rundgang sind um die sechzig Kunstwerke zu bestaunen, welche mehr oder weniger mit ihrer unmittelbaren Umgebung korrespondieren. Wenn gleichzeitig noch zufällig eine Flugschau anlässlich des 50. Geburtstages des örtlichen Aeroclubs stattfindet, heisst das Kunststück Höllenmaschinen machen Höllenlärm.

Kurz nach dem Einlass donnerte zur Begrüssung eine ausgewachsene F-18 im Tiefflug mit solch einer Geschwindigkeit über die Hauptstrasse, dass der ohrenbetäubende Schall erst dann schmerzlich wahrnehmbar wurde, als das fliegende Ungetüm bereits wieder in den Himmel aufstieg. Der folgende recht furchteinflössende Sturzflug direkt auf den wehrlosen Dorfkern erinnerte eindrücklich an Luftüberlegenheit à la NATO.
Noch vor wenigen Jahren barg das Val de Travers ganz im Wilden Westen der Schweiz ein eher stilles Geheimnis für den Amateur d´Absinthe. Seit der Aufhebung des Absinthe-Verbotes tuckert die Vermarktungsmaschine langsam, aber stetig.

Das ursprünglich vorgesehene beschauliche Erwandern der Kunstmeiler wurde derweil von der durch die Lüfte düsenden Patrouille Suisse lautstark untermalt (Formation, Sturz, Salti mit Trallala & Hoppsassa), während auf der Erde auf Schritt und Tritt die grüne Fee lockte.

Die Gefühlslage war auch ohne Apéro leicht getrübt. Wird das Bedrohungspotential von Flugschauen über bewohntem Gebiet nicht etwas unterschätzt?
Die wahrhaft bizarre Begehung von Kunst und Natur mit den weiteren Sidekicks Helikopter-Luftakrobatik, stotternden Weltkriegsveteranen, einer von Heckpropellern angetriebenen Entenflüglerformation und noch mehr Hubschraubern nebst knatternden einfachen und doppelten Deckern fand ihren Abschluss schliesslich an einem Schuhbaum, gestaltet vom Künstlerduo Haus am Gern.

Dem Hobbyschweizer hatte es die Schuhe schon unterwegs ausgezogen und so besass er an dieser Stelle keine Munition mehr, sonst wäre unter den Umständen eine titanverstärkte Schweizer Hornisse gebodigt worden…
Schiffeversenken
Der Höhenflug des starken Franken wird souverän verteidigt von der „besten Armee der Welt“ — gerade auch in und aus der Luft. Der Hauptstützpunkt der Luftwaffe befindet sich bei Payerne in der Broye, zwischen den Kantonen Fribourg und Vaud. Gleich in der Nähe des grössten Schweizer Kriegsflughafens liegt der Neuenburger See, über welchem Flugmanöver und das Feuern auf Wasserziele geübt werden.
Während die Tourismusagenturen den Schilfgürtel des südlichen Seeufers als erholsames Biosphärenreservat kommunizieren, tobt darüber der simulierte Luftkampf.
Nur geschossen wird ausserhalb der Badesaison.
Prostalgie
Kiffer Gang
Für pauschalreisende Individualtouristen hat railtour.ch im aktuellen Reisekatalog (auf Seite 10) einen bewusstseinserweiternden Lustwandel im Sonderangebot:
Hier noch zwei Gratis n.
Yo, Kiffen ist Mainstream und seit Clinton muss man nicht mal mehr inhalieren. Und weil zudem in den Niederlanden seit Kurzem verboten ist, in einschlägigen Coffee Shops Ausländern Stoff zu verkaufen, bleibt es wohl beim reinen Sightseeing für Kinder ab 18.
Kreativwirtschaft
Urbane Kulturarbeiter erschaffen Werke. Zwischenhändler vermittelten Wertschätzung. Ateliers, Galerien und Dachgeschosse sorgen für Wohlfühlklima. Parasiten werden angelockt. Spekulation beschleunigt Umstrukturierung. Hippe Trendopfer investieren. Ein Familienidyll entsteht.
Kapitalismus funktioniert schön.
Delikat Essen XXXV
Ampelmännchen
Bolle wird Moschee
Anlässlich des Kreuzberger 1. Mai-Festes 1987 wurde der Bolle-Supermarkt am Görlitzer Bahnhof erst geplündert und anschliessend gebrandschatzt. Lange Jahre war der Platz ein bis auf die Grundmauern niedergebranntes Menetekel.
Pünktlich zum 8. Djumâda I-´Âkhirah 1431 und nach gefühlten 10 Jahren Bauzeit eröffnet auf der einstigen Ruinenbrache nun die Omar Moschee. Mit vier recht unscheinbaren Minaretten auf dem Dach aber einer begrünten (!) Kuppel.
Leitthema des Eröffnungsfestes war der Döner Kebap auf fünf rotierenden Freiluftspiessen vor dem Haus

die sich im Haus umgekehrt proportional in den gigantischen Kristallleuchtern quasi widerspiegelten.

Die BVG machte Sonderfahrten und oben am Himmel lachte gar ein halber Mond wie auf Bestellung.


















